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deutsch versus englisch

Teil 2: die Wortebene

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Du arbeitest gerade an deiner englischen Thesis und dir fehlen buchstäblich die Worte? Kreisen dir vielleicht zahlreiche Ausdrücke des Deutschen im Kopf und du weißt nicht, wie du sie ins Englische überträgst, um deine Inhalte möglichst effektiv zu verpacken? Oder hast du sogar schon eine Übersetzung parat, bist dir aber unsicher, ob sie formell genug klingt?

Die gute Nachricht zuerst: Für beide Probleme gibt es hier die Lösung. Denn in diesem Artikel zeige ich dir, worauf du bei der Auswahl deines englischen Vokabulars achten solltest, um die Kriterien des englischen wissenschaftlichen Schreibstils zu erfüllen.

Eine schlechte Nachricht gibt es nicht, es sei denn du hörst hier mit dem Lesen auf. 😉

Du lernst in diesem Beitrag

Was deutsche von englischen Thesen auf der Wortebene unterscheidet

Personalpronomen bzw. die Präsenz der AutorInnen und LeserInnen

Im deutschen Sprachraum liegt besonders viel Wert auf der Unpersönlichkeit des wissenschaftlichen Schreibstils, was zur Objektivität eines Textes beiträgt. Aus diesem Grund werden die Personalpronomina „ich“ und „wir“ selten bis nie verwendet. An ihrer Stelle stehen vorwiegend Passivkonstruktionen oder neutrale Subjekte.

Im Englischen hingegen gehört das sogenannte „self mentioning“ durch die Personalpronomina I/my(self)/me/mine und we/our(selves)/us/ours zum Standardrepertoire der akademischen Sprache. Diese machen den Text zwar persönlicher, sind aber kein Kriterium für Objektivität (vgl. Mautner, G. (2011), S. 151).

Allerdings solltest du in deiner englischen Thesis darauf achten, dass du nur an ausgewählten Stellen und trotzdem sparsam von dir selbst sprichst. In erster Linie kannst du in der Einleitung in der Ich-Perspektive sprechen, wenn du den Aufbau deiner Thesis erläuterst, deine Forschungsfrage absteckst und den Forschungsstand knapp umreißt. Die folgenden Beispiele zeigen, wie dies jeweils im Deutschen und Englischen aussehen könnte (nach Mautner (2011), S. 150 ff.):

„Im ersten Kapitel wird aufgezeigt…“

“Firstly, I will show/demonstrate…”

Diese Arbeit untersucht/widmet sich der Fragestellung…“

“I investigate”

“Die Begriffe werden synonym verwendet

We consider the two terms to be interchangeable.”

Svenja

Svenja

Anglistin und Thesis-Pilotin

Hey, ich bin Svenja. Nach über 30 Hausarbeiten auf Deutsch und Englisch an den Unis Heidelberg und Edinburgh teile ich hier meine Erfahrungen mit dir. Bei Thesis-Pilot bin ich für das Coaching englischer Abschlussarbeit und deren Lektorat zuständig.

Dafür brenne ich: Reisen, Yoga und kreatives Heimwerken à la DIY.

Das ist mir wichtig: Spaß an dem was ich tue, Zuverlässigkeit und Organisation.

Analog dazu bietet dir der Schluss die Möglichkeit, dich auf das Gesagte zu beziehen oder weiteren Forschungsbedarf aufzeigen. In wenigen Fällen kommt es auch vor, dass neue Abschnitte im Hauptteil mit Personalpronomina eingeleitet werden (Beispiel 5). Das ist allerdings so selten, dass du grundsätzlich davon absehen solltest (ebd.):

“In der Diskussion wurde deutlich…““

“From our discussion so far it will have become clear that…”

Betrachtet man … als nächstes…“

Let us now move on to…”

Besondere Vorsicht gilt bei der Übersetzung des deutschen „man“. „One“ wird im akademischen Englisch nicht verwendet und sollte daher durch „we“ oder eine Passivkonstruktion ausgedrückt werden. Zum Beispiel:

Man sollte diesen Plan in Betracht ziehen.“

We should consider this plan.“/“This plan should be considered.”

Aktiv-/Passivformen

Die Vorliebe der Deutschen für einen unpersönlichen wissenschaftlichen Schreibstil schlägt sich auch in der häufigen Verwendung des Passivs nieder. Obwohl beim Formulieren oder Übersetzen meistens auch das Passiv grammatikalisch richtig wäre, bevorzugt der akademische Stil des Englischen eine Aktivkonstruktion. Die drei nächsten Beispiele machen dies deutlich:

„In diesem Kapitel werdengegenübergestellt.“

„In this chapter, I will compare…”

„An dieser Stelle ist zu überprüfen…“

„Here, we need to further investigate…”

Es ist in Betracht zu ziehen, ob…”

We need to consider…”

Das hat zur Folge, dass englische Sätze dynamischer und handlungszentrierter wirken. Diese Eigenschaft ist auch auf der Satzebene kongruent: Während im Deutschen der Nominalstil vorherrscht, dominiert im Englischen der Verbalstil, indem das Verb der Nukleus des Satzes ist. Siehe hierzu meinen vorherigen Artikel zu „3 Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Wissenschaftssprache Teil I: Die Satzebene“ (www.thesis-blog.de/sentences).

Genderneutrales Schreiben

Gendergerechte Sprache ist erst in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus akademischer Arbeiten gerückt. Dabei geht es darum, alle Geschlechter in eine Personenbezeichnung zu inkludieren. Besonders im Deutschen war es zuvor gängige Praxis, mit der männlichen Form (generisches Maskulinum) auch den weiblichen Teil anzusprechen. Man sprach vom „Leser“, „Professoren“ und „Studenten“ (etc.), was nach wie vor besonders in älteren Texten zu finden ist.

Um die Gleichstellung der Geschlechter im Sprachgebrauch zu implementieren, neigt speziell die deutsche Sprache dazu, die feminine Form zu ergänzen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die deutsche Grammatik drei Genera besitzt und damit die weibliche Form leicht zu bilden ist. Im Schriftbild sieht das folgendermaßen aus: „Leser/Innen“ oder „ProfessorInnen“. In den wenigsten Fällen wird ein genderneutraler Begriff gewählt. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Namensänderung des „Studentenwerk Heidelberg“ in das „Studierendenwerk Heidelberg“, welche erst 2014 erfolgte. Trotz dieser Ausnahme bleibt in vielen Fällen der Nachteil, dass inter- und transsexuelle Personen streng genommen nicht direkt angesprochen werden.

Die englische Sprache löst diese Diskussion elegant, indem vorwiegend geschlechtsneutrale Wörter eingeführt wurden. Beispielsweise spricht man nicht mehr vom „chairman“, sondern von einer „chairperson“ (Vorsitzende/r). In diesem Sinne ist auch „humanity“ oder „humankind“ unbedingt „mankind“ vorzuziehen.

Für dich bedeutet das konkret, dass du beim Verfassen deiner englischen Thesis gezielt auf genderneutrale Ausdrucksformen achten solltest, da die englischsprachige akademische Welt stark dafür sensibilisiert ist.

Zusammenfassung

Auf der Wortebene gibt es drei zentrale Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Wissenschaftssprache. Erstens dürfen Personalpronomina im Englischen verwendet werden, allerdings vorwiegend in der Einleitung, im Interpretationsteil und für die eigene Meinung. Zweitens werden im Englischen Aktivkonstruktionen bevorzugt. Und drittens legt der anglophone akademische Sprachstil besonders viel Wert auf geschlechtsneutrale Sprache, was du bei deiner Vokabelauswahl beachten solltest.

Zu guter Letzt: ohne Wort kein Satz. Und ohne Satz entfalten Wörter nicht ihre Wirkung. Folglich geht die Auswahl der Wort- und Satzstrukturen immer Hand in Hand, wenn es um die effektive Versprachlichung deiner Inhalte geht. Deswegen möchte ich dich an dieser Stelle auf drei weitere Tipps für wissenschaftliches Schreiben auf Englisch aufmerksam machen, die sich auf die Satzebene beziehen.

Quelle:

Mautner, Gerlinde (2011): Wissenschaftliches Englisch. Stilsicher schreiben in Studium und Wissenschaft. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Siepmann et al (2011): Writing in English: A Guide for Advanced Learners. 2. Ausgabe. Tübingen/Basel: A. Francke Verlag.

Journalistinnenbund: Genderleicht.de, https://www.genderleicht.de/ (zuletzt besucht am 29.03.2020)

http://www.die-stadtredaktion.de/2017/12/rubriken/gesellschaft/studenten/das-studierendenwerk-heidelberg-feiert-seinen-95-geburtstag/ (zuletzt besucht am 29.03.2020).

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