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Satzstellung ist egal – richtig?

In drei Schritten zum Anti-Joda des Satzbaus

#topologie #thesis #bachelor #master

„Heute gibt der Professorin der BWL mit der blauen Brille in der Bibliothek der Student der Wirtschaftswissenschaften die gedruckte Masterarbeit.“

Klingt schrecklich, oder? Aber ist es auch falsch?

Eine Antwort, die immer weiterhilft: Das kommt in gewisser Weise darauf an. Was möchtest du aussagen? Welchen Satzteil möchtest du betonen? Und welche grammatischen Regeln sind bei der Satzstellung zu beachten?

Aber eines nach dem anderen. Heute möchten wir dir gerne die Angst vor Satzstellungsfehlern nehmen. Denn sicherlich hast auch du schon die ein oder andere Minute damit verbracht, Satzteile hin und her zu schieben. Muss das sein?

Yoda würde vermutlich mit „Nein“ antworten. Doch wenn es um die Topologie (Satzstellung) des Deutschen geht, ist Yoda eher ein Padawan unter den mächtigen Sprachwissenschaftlern. Noch viel zu lernen er hat. Also schauen wir doch mal, was die Grammatik dazu sagt. Was ist erlaubt, was nicht?

Wir geben dir im Folgenden eine Anleitung, wie du die Elemente von Sätzen (Satzteile) fehlerfrei kombinierst. In nur drei Schritten lernst du so, wie du zum Meister des Satzbaus aufsteigst.

Du lernst in diesem Beitrag

Welche Regeln es für den deutschen Satzbau gibt

Wie du Satzteile fehlerfrei kombinierst

Anmerkung

Wie immer wendet sich dieser Blogartikel an Studierende, von denen wir erwarten, dass sie ein solides Grundgerüst kommunikativen Wissens mitbringen.

Schritt 1: Zusammenhängende Einheiten des Satzes bestimmen

Satzstellung bezieht sich stets auf die Bestandteile eines Satzes. Und diese können logischerweise aus mehreren Elementen bestehen (Attribute). Zuerst musst du folglich bestimmen, welche Elemente zu einem Satzbestandteil zählen. Meist gelingt uns das auch intuitiv schon ganz gut. Zum Beispiel:

Heute | gibt | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit.

Dieser Schritt ist essenziell, damit du weißt, welche Teile du innerhalb des Satzes überhaupt bewegen kannst. Beispielsweise bezieht sich „mit der blauen Brille“ eindeutig auf die Professorin, weswegen dieser Teil nicht losgelöst stehen kann. Verletzt du diese Regel, kommen entweder grammatikalisch oder inhaltlich falsche Aussagen heraus. Oder trägt die Bibliothek tatsächlich eine blaue Brille?

*Heute | gibt | der Professorin der BWL | in der Bibliothek | mit der blauen Brille | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit.

Schritt 2: Welche Einheit möchtest du betonen?

Im zweiten Schritt solltest du dich fragen, welche Satzeinheit du betonen möchtest. Denn die wichtigste Information steht im Deutschen in aller Regel am Anfang eines Satzes. 

Die entscheidende Frage ist hier: Liegt dein Fokus auf dem Zeitpunkt, auf dem Ort oder auf einem der Akteure/Objekte? 

Anmerkung II

Eigentlich kann dein Prüfer gar nicht so genau sagen, welchen Teil du betonen möchtest – daher behandeln wir an dieser Stelle eine stilistische Frage. Die Betonung von Satzeinheiten kann dir kaum als Fehler ausgelegt werden.

Schritt 3: Wie platzierst du die Satzteile in Hauptsätzen

Fall 1: Hauptsatz

Unser Beispiel ist ein Hauptsatz, also ein selbstständiger Satz, der grammatikalisch vollständig ist und entweder allein oder als übergeordneter Satz in einem Satzgefüge steht. Er beinhaltet ein Subjekt, das Prädikat (Verb) und mindestens ein Objekt. Lassen wir es zunächst dabei. Die goldene Regel dazu lautet: Das konjugierte Verb, der „Kern“ des Satzes, folgt immer auf der zweiten Position des Hauptsatzes In unserem Beispielsatz repräsentiert das „gibt“.

Besteht das Prädikat aus zwei Teilen (Satzklammer), also einem finiten Verb mit einem infiniten Verb oder einem Präfix, nimmt das indefinite Verb bzw. das Präfix die letzte Position im Satz ein. Dabei schließt die Satzklammer weitere Informationen ein, z. B.

Heute | hat | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit | gegeben. (infinite Verb: Partizip II)

Exkurs: Für gewöhnlich lernen wir zunächst, dass das das Subjektiv der bestimmende Teil eines Satzes ist. Nach der VALENZGRAMMATIK ist das anders – das Prädikat dominiert Sätze und Aussagen. Dass Prädikate eine fixe Position in Sätzen haben, spricht dafür 😊

Deshalb geht das selbst nach Meister Joda nun wirklich nicht:

* Heute | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit | gegeben hat |. (infinite Verb: Partizip II)

Relativ flexibler Satzbau im Deutschen

Dank der vier deutschen Fälle (Kasus) ist der Satzbau vor und nach dem Verb im Deutschen flexibler als in anderen Sprachen, da wir durch sie erkennen, ob ein Substantiv oder Pronomen als Subjekt oder Objekt verwendet wird. Da beispielsweise in Englisch, Französisch oder Spanisch die Kategorie des Kasus grammatikalisch schwächer ausgeprägt ist, befindet sich hier meistens das Subjekt an erster Stelle. Im Deutschen hingegen steht die wichtigste Information am Anfang eines Satzes, um diese besonders zu betonen. Das kann ein Subjekt sein, ist aber auch häufig ein anderes Satzglied. In letzterem Fall steht das Subjekt hinter dem konjugierten Verb, z. B.

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | gibt | heute | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | die gedruckte Masterarbeit. (Subjekt)

Die gedruckte Masterarbeit | gibt | heute | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | der Student der Wirtschaftswissenschaften. (Akkusativobjekt/direktes Objekt)

Heute | gibt | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | in der Bibliothek | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit. (Adverbiale Bestimmung der Zeit)

In der Bibliothek | gibt | heute | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | der Student der Wirtschaftswissenschaften | die gedruckte Masterarbeit. (Adverbiale Bestimmung des Ortes)

Im Schriftlichen ist es üblich, dass die Zeitangabe vor der Ortsangabe steht. Deswegen ist der letzte Beispielsatz nur ohne die Zeitangabe korrekt, es sei denn, sie steht noch vor der Ortsangabe: Heute | in der Bibliothek | gibt |  

Sonderfälle und Ausnahmen

Wenn das direkte Objekt (Akkusativobjekt) ein Pronomen ist, steht es vor dem indirekten Objekt (Dativobjekt)

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | gibt | der Professorin der BWL mit der blauen Brille | die gedruckte Masterarbeit.

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | gibt | sie |der Professorin der BWL mit der blauen Brille.

Zusammenfassung zur Satzstellung in Hauptsätzen:

Mit etwas sprachlicher Intuition und bei Beachtung dreier Regeln geht dir der fehlerfreie Satzbau im Deutschen leicht von der Hand:

Anmerkung:

Schritt 1: Satzteile bestimmen – welche Ausdrücke gehören zusammen?

Schritt 2: Das Wichtigste zuerst – was möchtest du betonen?

Schritt 3: Ort vor Zeit; Unbekanntes erst nach Bekanntem platzieren.

Ein Selbsttest zum Übergang

Ist dieser Satz korrekt? Falls nicht, warum?

In der Galaxis im Jahre 3000 wird Yoda mit seinem Verbündeten Jar Jar Binks der Jedimeister mit den grünen Augen ein Grammatikseminar besuchen.

Lösung: Er ist falsch, weil…

… die Zeitangabe vor der Ortsangabe stehen muss,

… der Relativsatz direkt hinter dem Substantiv/Pronomen, auf das er sich bezieht, steht und

… der Nebensatz mit einem Komma vom Hauptsatz abgetrennt ist.

Richtig wäre beispielsweise:

Im Jahre 3000 in der Galaxis wird Yoda mit den grünen Augen  mit seinem Verbündeten Jar Jar Binks ein Grammatikseminar besuchen.

Ausnahmen und Sonderfälle

Zu deiner Beruhigung: Du hast gesehen, dass die Satzstellung am Ende also eine deiner kleineren Sorgen für Studierende ist. Du musst lediglich diese fünf Regeln beachten, dann kann nichts mehr schief gehen:

Die Stellung des Verbs ist fix: In Hauptsätzen steht das konjugierte (finite) Verb immer an zweiter und das infinite Verb an letzter Stelle des Satzes. Nebensätze sind an einen Hauptsatz gebunden, werden unterschiedlich eingeleitet und ihr Prädikat steht am Satzende. Dank der Flexibilität des deutschen Satzbaus, werden die übrigen Satzglieder allgemein nach ihrer Wichtigkeit/Bekanntheit angeordnet. Dabei ist nur zu beachten, dass Zeitangaben vor Ortsangaben stehen. Kommen wir abschließend noch zur Verbindung mehrerer Hauptsätze und zu Nebensätzen:

Verbindung zwischen Hauptsätzen

 Damit in einem Text ein Fluss entsteht, werden zwischen den Sätzen Verbindungen geschaffen. Als Faustregel gilt hier, dass bekannte vor neuen Informationen stehen.

 Der Student hat gestern seine gedruckte Masterarbeit der Professorin der BWL mit der blauen Brille in der Bibliothek gegeben. Dort saßen viele Studierende an ihren Laptops.

Das ist auch der Grund, warum in unserem Beispielsatz

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | gibt | sie |der Professorin der BWL mit der blauen Brille.

das Pronomen „sie“ (Akkusativobjekt) vor dem Dativobjekt „der Professorin(…)“ steht. Denn Pronomen werden nur dann verwendet, wenn das Substantiv, auf das sie sich beziehen, zwischen den Kommunikatoren bekannt ist.

Fall 2: Satzgefüge

 So viel zum einfachen Hauptsatz. Aber wie sieht es aus, wenn wir unseren Beispielsatz so umformen, dass wir ein Satzgefüge, also mindestens ein Hauptsatz plus einen oder mehrere Nebensätze, erhalten?

Kurz zur Theorie: Nebensätze sind grammatikalisch nicht vollständig und können daher nicht allein stehen. Sie sind deshalb an einen Hauptsatz geknüpft und diesem untergeordnet. In ihnen werden zusätzliche Informationen vermittelt, welche durch beispielsweise Konjunktionen, Relativpronomen oder Interrogativpronomen (Fragewörter) eingeleitet werden.

Grundsätzlich werden Hauptsatz und Nebensatz mit einem Komma getrennt und das Verb des Nebensatzes steht am Satzende. Nebensätze werden entweder vor- oder hinter den Hauptsatz gestellt oder in einen Hauptsatz eingefügt, wie das beispielsweise bei einem Relativsatz sein kann.

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | gibt | der Professorin der BWL, die eine blaue Brille trägt, | die gedruckte Masterarbeit.

Steht der Nebensatz vor dem Hauptsatz, nimmt dieser die erste Position innerhalb des Satzes ein. Das konjugierte Verb des Hauptsatzes behält somit die zweite Position im Satz, woran sich das Subjekt des Satzes schließt:

Weil heute der Abgabetermin ist, | gibt | der Student der Wirtschaftswissenschaften | der Professorin der BWL | die gedruckte Masterarbeit | in der Bibliothek.

In Sätzen, in denen Modalverben, das Perfekt, Passivformen, Infinitiv- oder Partizipialkonstruktionen verwendet werden, gilt ebenfalls die Faustregel: Das konjugierte steht am Ende des Nebensatzes.

Der Student der Wirtschaftswissenschaften | hat | keine Zeit, weil | er | seine gedruckte Masterarbeit | noch | abgeben muss. (Modalverb muss)

Ich | empfehle | dir, | deine Thesis | zu strukturieren. (Infinitivkonstruktion)

Seine gedruckte Masterarbeit | abgegeben |, feiert | der Student der Wirtschaftswissenschaften | seinen Uniabschluss. (Partizip II der Vergangenheit)

Svenja

Svenja

Anglistin und Thesis-Pilotin

Hey, ich bin Svenja. Nach über 30 Hausarbeiten auf Deutsch und Englisch an den Unis Heidelberg und Edinburgh teile ich hier meine Erfahrungen mit dir. Bei Thesis-Pilot bin ich für das Coaching englischer Abschlussarbeiten und deren Lektorat zuständig.

Dafür brenne ich: Reisen, Yoga und kreatives Heimwerken à la DIY.

Das ist mir wichtig: Spaß an dem was ich tue, Zuverlässigkeit und Organisation.

Quellen:

https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln (zuletzt besucht am 15.05.2020)

https://deutsch.lingolia.com/de/grammatik/satzbau (zuletzt besucht am 15.05.2020)

https://easy-deutsch.de/satzbau/ (zuletzt besucht am 15.05.2020)

Zusammenfassung

Zu deiner Beruhigung: Du hast gesehen, dass die Satzstellung am Ende also eine deiner kleineren Sorgen für Studierende ist. Du musst lediglich diese fünf Regeln beachten, dann kann nichts mehr schief gehen:

Die Stellung des Verbs ist fix: In Hauptsätzen steht das konjugierte (finite) Verb immer an zweiter und das infinite Verb an letzter Stelle des Satzes. Nebensätze sind an einen Hauptsatz gebunden, werden unterschiedlich eingeleitet und ihr Prädikat steht am Satzende. Dank der Flexibilität des deutschen Satzbaus, werden die übrigen Satzglieder allgemein nach ihrer Wichtigkeit/Bekanntheit angeordnet. Dabei ist nur zu beachten, dass Zeitangaben vor Ortsangaben stehen.

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