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Kommaszähmen leicht gemacht

Kommasetzung Klappe – die Dritte: Das Komma bei Zusätzen und Nachträgen

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„Niko, mein Freund, und ich schreiben parallel an unserer Masterarbeit.“ versus
„Niko, mein Freund und ich schreiben parallel an unserer Masterarbeit.“

Wenn auch du gerade nach der richtigen Zahl grübelst, bist du hier richtig. Denn wir haben in unserer Blogreihe die Hauptregeln der Kommasetzung zusammengefasst und erläutern dir, wie du deine Thesis damit noch effektiver und (komma-)fehlerfrei verfasst.

Du lernst in diesem Beitrag

  • Bei welchen Zusätzen und Nachträgen du Kommas setzen musst
  • Wann du über ein Komma entscheiden kannst

Kurz und knapp: Ein Komma

  1. steht zwischen den Teilen von Reihungen oder Aufzählungen,
  2. steht zwischen Haupt- und Nebensatz (bzw. Nebensatzähnlichem),
  3. grenzt Zusätze

Nachdem wir uns in den letzten drei Artikeln mit dem Sinn und Zweck der Kommasetzung sowie den Kommaregeln bei Reihungen bzw. Aufzählungen und zwischen Haupt- und Nebensätzen beschäftigt haben, erklären wir dir heute, wie es mit dem Komma bei Zusätzen und Nachträgen aussieht. Los geht’s!

Klappe 3, Szene 1: Das Komma bei Zusätzen und Nachträgen

Im Allgemeinen werden Zusätze oder Nachträge mit einem Komma vom übrigen Satz abgetrennt. Den einfachsten Fall stellen eingeschobene selbstständige Teilsätze dar, die von einem paarigen Komma eingeschlossen werden.

1. Sie hat, dessen bin ich mir sicher, eine fehlerfreie Masterarbeit abgegeben.

Auch wenn Substantivgruppen als nachgestellte Zusätze, sogenannte Appositionen, in deinem Satz vorkommen, setzt du ein Komma.

2. Marie, Studentin der Germanistik, führt für Ihre Thesis Interviews mit Studierenden.

Folgt der Eigenname jedoch einem Titel, einer Berufsbezeichnung o. Ä. muss nicht zwingend ein Komma stehen. Kein Komma hingegen steht bei Beinamen, also wenn der Zusatz Teil eines Namens ist.

3. Die Politikerin[,] Angela Merkel[,] trägt immer einen Blazer.

4. Karl der Große förderte Kultur und Bildung.

Eine Mischform von Pflicht und Kür bei der Kommasetzung stellen mehrteilige Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben ohne Präposition dar. Hierbei ist ein Komma zwischen den einzelnen Angaben Pflicht, jedoch ist ein abschließendes Komma am Ende optional.

5. Das Interview wurde am Freitag, den 29. Mai[,] geführt.

6. Herr Mustermann aus Heidelberg, Hauptstraße 1[,] war der Interviewpartner.

7. In der Einleitung wurde aus Schmidt, 2. Auflage, Band 3[,]

Nachgestellte Erläuterungen, die beispielsweise durch „zwar“, „nämlich“, „z. B.“, „insbesondere“ oder ähnliche Ausdrücke eingeleitet werden, werden mit einem Komma abgetrennt. Ein Sonderfall trifft allerdings bei Satzkonstruktionen ein, bei denen die Erläuterung zwischen Adjektiv und Substantiv oder zwischen Verb und Hilfsverb steht. Hier entfällt das paarige Komma am Ende des Einschubs.

8. Bei meinem nächsten Coachinggespräch, also am Freitag, werde ich meinen Empirieteil fertiggeschrieben haben.

9. Der Empirieteil baut auf zehn, und zwar auf Deutsch und Englisch geführte Interviews auf.

Stehen angekündigte Wörter oder Wortgruppen einem Satz voran, signalisieren sie eine besondere Hervorhebung. Dasselbe gilt, wenn sie als Spezifizierung in der Mitte oder am Ende des Satzes eingefügt bzw. angehängt werden. In allen Fällen werden diese mit einem Komma abgetrennt.

10. Mit viel Organisation und Zeitmanagement, genau so hat er seine Thesis zügig verfasst.

11. Verantwortlich für den Prozessablauf war nur er, der CEO selbst.

Zusätze können auch in Form von Adjektiven und Partizipien auftreten, die sich an ein Substantiv bzw. Pronomen anschließen. Auch diese stehen zwischen einem Komma.

12. Sie, normalerweise chaotisch, sortierte ihre Unterlagen.

13. Die Umfrage wurde über zwei Wege bearbeitet, digital und handgeschrieben.

Exkurs: Gedankenstrich oder Klammer statt Komma

Manchmal kann anstelle eines Kommas auch ein Gedankenstrich oder eine Klammer gesetzt werden. Dadurch wird ein Zusatz oder Nachtrag noch stärker hervorgehoben.

Klappe 3, Szene 2: Das optionale Komma bei Zusätzen und Nachträgen

Bei einigen Satzkonstruktionen hat man im Deutschen die Wahl, ob man ein Komma setzt. Dadurch kennzeichnet man einen Satzteil explizit als Zusatz oder Nachtrag. Dies trifft auf Gefüge, die mit Präpositionen oder „wie“ eingeleitet werden, zu und findet auch bei Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen Anwendung. Aber nun der Reihe nach:

14. Lisa schreibt[,] wegen des Zeitdrucks[,] den ganzen Tag an ihrer Masterarbeit.

15. Kapitel[,] wie Einleitung und Schluss[,] schreibt sie am Ende.

Aber Achtung: Wenn „wie“ Wörter bzw. Wortgruppen ohne Verb einleiten, steht kein Komma. In unserem Artikel Komma – Klappe: die Zweite behandeln wir genau diesen Fall. Schau doch mal rein: [LINK EINFÜGEN].

Bei Partizip- und Adjektivgruppen kann ein Komma dabei helfen, die Gliederung des Satzes hervorzuheben und Missverständnissen vorzubeuge

16. Alex hat[,] grob gerechnet[,] schon die Hälfte seiner Thesis geschrieben.

17. Gerade sitzt er[,] seine Umfrageergebnisse in der Hand[,] am Schreibtisch.

    Klappe 3, Szene 3: Das Komma bei Ausdrücken einer Stellungnahme

    Grundsätzlich werden Ausdrücke einer Stellungnahme, dazu zählen Verjahung, Verneinung, Bitte und Bekräftigung, mit einem Komma abgetrennt. Voraussetzung ist auch hier, dass sie hervorgehoben werden sollen. Sofern sie in einen Satz eingeschoben sind, werden sie durch das paarige Komma eingeschlossen. Z. B.:

    18. Bitte, lass mich dafür deinen Computer benutzen.

    19. Darf ich bitte mal deinen Computer dafür benutzen?

    Wie in Beispiel 19. deutlich wurde, muss nicht zwingend ein Komma stehen, wenn keine Hervorhebung ausgedrückt werden soll. Es liegt hier also in deinem Ermessen, welche Wirkung du mit deiner Aussage erzielen möchtest und ob sie durch ein Komma be- oder entkräftigt wird.

    Svenja

    Svenja

    Anglistin und Thesis-Pilotin

    Hey, ich bin Svenja. Nach über 30 Hausarbeiten auf Deutsch und Englisch an den Unis Heidelberg und Edinburgh teile ich hier meine Erfahrungen mit dir. Bei Thesis-Pilot bin ich für das Coaching englischer Abschlussarbeit und deren Lektorat zuständig.

    Dafür brenne ich: Reisen, Yoga und kreatives Heimwerken à la DIY.

    Das ist mir wichtig: Spaß an dem was ich tue, Zuverlässigkeit und Organisation.

    Zusammenfassung

    Grundsätzlich werden Zusätze bzw. Nachträge mit einem Komma vom übrigen Satz abgetrennt. Merke dir deshalb, dass du eingeschobene Teilsätze, Appositionen, Erläuterungen, angekündigte Wörter oder Wortgruppen sowie Adjektiv- und Partizipgruppen mir einem Komma abgrenzen musst. Auch bei Ausdrücken einer Stellungnahme (Verjahung, Verneinung, Bitte und Bekräftigung) steht ein Komma. Bei mehrteiligen Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Literaturangaben ist nur das einleitende Komma am Ende des Einschubs Pflicht.

    Wenn du diese Regeln beachtest, kann nichts mehr schiefgehen. Hier ein letzter Tipp, für Profis: Wahlweise kannst du ein Komma setzen, wenn ein Eigenname einem Titel oder einer Berufsbezeichnung folgt. Ein optionales Komma kann ebenso in Gefügen, die mit Präpositionen oder „wie“ eingeleitet werden, sowie bei Infinitiv-, Partizip- oder Adjektivgruppen gesetzt werden. Beachte jedoch, dass mit „wie“ eingeleitete Wortgruppen ohne Verb ohne Komma stehen.

     

    Auflösung Quiz:

    „Niko, mein Freund, und ich schreiben parallel an unserer Masterarbeit.“ (2 Personen, da Zusatz: Niko ist mein Freund.)

    „Niko, mein Freund und ich schreiben parallel an unserer Masterarbeit.“ (3 Personen, da Aufzählung: Niko, mein Freund und ich.)

    Thesis-Blog

    präsentiert von

    Quellen:

    Duden: Komma, online unter: https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma (zuletzt besucht am 13.07.2020).

    Das Höfer: Kommaregeln beim Infinitiv, online unter: https://www.dashoefer.de/thema/kommaregeln-beim-infinitiv.html (zuletzt besucht am 29.06.2020).

    IDS Mannheim: Kommaregeln, online unter: http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf (zuletzt besucht am 29.06.2020).