Frank Satzdrechsler hat sich gestern einen Zeitplan für den Rest seiner Thesis gemacht. Er muss in den kommenden zwanzig Tagen je zwei Seiten pro Tag schreiben. Da Frank berufsbegleitend studiert, ist das kein allzu leichtes Unterfangen. Also legt er los. Nach zwei Stunden, drei Stunden Zeit hat er für den heutigen Tag eingeplant, stehen gerade einmal vier Sätze. Diese hat Frank schon fünfzehn Mal verändert und ist mit seinem Ergebnis immer noch nicht zufrieden. Er wird nervös und legt seine Thesis für heute zur Seite. Was ist passiert?

Take-aways

Notenbezug deiner Aufgaben

Mach dir bewusst, welche Kriterien des wissenschaftlichen Arbeitens deine Note bestimmen.

Vom Großen zum Kleinen

Arbeite zunächst die großen Blöcke des wissenschaftlichen Arbeitens ab und widme dich dann den Details.

Das Große

Zu den großen Blöcken zählen die Makrostruktur, die Rezeption der wichtigsten Literatur und die Definition der Titelbegriffe sowie die Grundlegung deiner empirischen Herangehensweise.

Satzdrechsler

Frank Satzdrechsler drechselt Sätze. Er rackert sich an kleinsten Nuancen seiner Formulierungen ab, anstatt sich mit den wesentlichen Aspekten seiner Thesis zu beschäftigen. Es ist prinzipiell lobenswert, dass Frank optimale Sätze schreiben möchte, aber dafür ist noch nicht die richtige Zeit. Denn Frank hat noch zwanzig Tage und eine Menge Inhalt vor sich.

Es wäre doch wesentlich besser, wenn er erstmal inhaltlich vorankäme, anstatt sich mit Kleinigkeiten zu beschäftigen.

Vom Großen zum Kleinen

Vielen Studierenden geht es wie Frank. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dabei gibt es nicht nur Satzdrechsler.

Es gibt jene Personen, die einfach nicht aufhören, zu lesen, weil sie alles für relevant erachten.

Es ist (für die Thesis) aber erstmal nur das relevant, was einen Teil zur Beantwortung der Fragestellung beiträgt.

Wieder andere drehen und wenden ihre Gliederung wie ein Karussell. Kapitel zwei vor Kapitel drei und wieder zurück. Oder sollte Kapitel fünf nicht lieber vor Kapitel drei stehen?

Wissenschaftliche Texte sind modular aufgebaut. Es ist provokant ausgedrückt egal, was wo steht. Der berühmte Rote Faden hält den Text schon zusammen.

Sicherlich macht es auch wenig Sinn, sich sieben Tage lang mit Citavi auseinanderzusetzen, ohne bezüglich des Thesis-Themas voranzukommen.

Software soll die Effizienz steigern. Wenn sie dich ablenkt, ist das kontraproduktiv.

Die Erklärung für ein solches Verhalten Studierender ist zweiteilig. Einerseits wissen viele Studierende nicht, welche Thesis-Aufgaben wirklich relevant sind. Andererseits treibt uns der Perfektionismus dazu, optimale Zwischenergebnisse zu erarbeiten.

Das Problem: Durch dieses Vorgehen verlierst du sehr viel Zeit. Viel besser ist es, vom Großen zum Kleinen zu laufen.

Die großen Blöcke des wissenschaftlichen Arbeitens

Zum Großen gehören dein Thesis-Ziel, die technische Ausstattung (Literaturverwaltung und Textverarbeitung), dein Zitationsstil und die Klärung der Prüferanforderungen.

Diesen Punkten folgt die Makrostruktur deiner Thesis: Setze zuerst einen Titel und eine Fragestellung auf, die zusammenpassen. Anschließend erstellst du deine Gliederung. Solltest du gerade in einer Arbeit stecken, dann hole diese Punkte nach.

Merke: All diese Aspekte sind zunächst Arbeitshilfen. Wenn es nach einem gewissen Arbeitsfortschritt einen wirklich driftigen Grund gibt, die Gliederung umzuwerfen oder die Fragestellung zu ändern, kannst du das natürlich tun.

Danach solltest du die wichtigste Literatur rezipieren (einen Teil vielleicht auch schon vor der Makrostruktur, wenn du ein Thema hast, bei dem du dich nicht auskennst). Hast du das erledigt, definierst du die Titelbegriffe deiner Thesis.

Anschließend kannst du die Grundlagen für deine empirische Herangehensweise legen. Welche Forschungsmethode wählst du? Wie kommst du an Daten und Umfrageteilnehmer?

Daran anknüpfend vertiefst du das Schreiben, das Lesen und die Empirie ganz nach deinem Gusto. Vergiss aber nicht, dass du alle drei Aufgaben erledigen musst. Die Überarbeitung deiner Ergebnisse erfolgt hauptsächlich am Ende der Bearbeitungszeit.

Und was ist mit deiner individuellen Herangehensweise?

Bis hierhin sind die Tipps unabhängig von deinem Schreibtyp, auch wenn unterschiedliche Schreibtypen auf unterschiedlichen Wegen zu diesen Ergebnissen kommen. Was die Schreibtypen unterscheidet, ist: Verfasst du direkt erste Texte zu den einzelnen Aufgaben? Das kann sinnvoll sein, da du so deine Gedanken in Textform festgehalten hast. Später kannst du diese Texte überarbeiten.

Ob in diesen Texten ein paar Tippfehler enthalten sind, ist völlig egal. Der Text kann auch aus einer Ansammlung von Zitaten und Paraphrasen bestehen. Es lohnt sich nämlich kaum, hier nach optimalen Texten zu streben. Du musst den Text am Ende ohnehin mehrmals überarbeiten, sofern du nach einer sehr guten Note strebst. Tust du das nicht, ist der Perfektionismus beim Satzdrechseln ohnehin wenig sinnvoll, oder?

Die Vorteile dieses Ansatzes

Wenn du die großen Blöcke abgearbeitet hast, hast du Orientierung für die nächsten Schritte. Du kannst dich an deiner Fragestellung entlanghangeln und deinen Arbeitsfortschritt einschätzen. Außerdem bist du wahrscheinlich motivierter. Schließlich ist dir klar, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Zusammenfassung

Wissenschaftliches Arbeiten folgt festen Regeln. Diese sind so klar, dass Prüfer bei deinen Texten und Gesprächen für gewöhnlich zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Folgst du den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens konsequent, steht deinem Unierfolg nichts im Wege.