Abkürzungen

„ABS, TÜV und BMW
KMH, ICE und Eschede
PVC, FCKW is‘ nicht OK

MfG, mit freundlichen Grüßen“

Schonmal gehört, oder? So lauten Zeilen des Lieds „MfG, mit freundlichen Grüßen“ von den Fantastischen Vier.

Und was hat das im Thesis-Blog zu suchen? Auch im wissenschaftlichen Arbeiten gibt es Abkürzungen und oftmals stoße ich dabei auf zwei Fragen: Wie wird wissenschaftlich abgekürzt und wie schreiben sich Abkürzungen?

Der Sinn von Abkürzungen

Sprachlich gesehen erfüllen Abkürzungen allgemein zwei Primärfunktionen:

  1. Sie dienen der Sprachökonomie.

Warum sollte ich bspw. „beispielsweise“ ausschreiben, wenn quasi jeder die Abkürzung bspw. kennt? Durch die Abkürzung muss ich weniger schreiben. Das Prinzip der Sprachökonomie lässt sich auch anhand von Namen nachvollziehen. So nennen wir „Christina“ Tina, „Christopher“ Chris und die „Bayerischen Motoren Werke“ BMW. Dadurch sparen wir Sprechzeit.

  1. Abkürzungen signalisieren Gruppenzugehörigkeit.

Als soziale Wesen finden wir uns in Gruppen zusammen und stabilisieren diese Gruppen bisweilen. Wenn wir Abkürzungen (oder Spitznamen) nutzen, die außerhalb unserer Gruppe nicht verstanden werden, grenzen wir uns dadurch ab. Es gibt uns ein Zusammengehörigkeitsgefühl, dass wir diese Abkürzungen nutzen können.

Arten von Abkürzungen

Unterscheidung 1: gesprochen vs. nicht gesprochen

Beim Schreiben von Abkürzungen unterscheiden wir danach, ob eine Abkürzung im mündlichen Sprachgebrauch gesprochen wird oder nicht.

ABS, TÜV oder FCKW werden gesprochen. Entsprechend entfällt bei Ihnen der Abkürzungspunkt.

Bspw. für beispielsweise wird nicht gesprochen und dementsprechend mit einem Punkt beendet.

Unterscheidung 2: Duden oder nicht

Weiterhin ist für das wissenschaftliche Arbeiten relevant, ob eine Abkürzung im Duden steht oder nicht. Denn Abkürzungen, die im Duden aufgegriffen werden, müssen theoretisch nicht ins Abkürzungsverzeichnis aufgenommen werden, da sie als bekannt vorausgesetzt werden können.

Rechtschreibregel

Nicht ausgesprochene Abkürzungen wie z. B. oder d. h. sind eine beliebte Fehlerquelle in wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei orientiert sich die Rechtschreibung in der Regel einfach an den ausgeschriebenen Varianten.

Das heißt besteht aus zwei Wörtern, folglich steht bei der Abkürzung d. h. ein (schmales) Leerzeichen zwischen den Bestandteilen. Weitere Beispiele für diesen Fall sind:

Einwortabkürzungen enden mit einem Punkt, dazwischen werden Buchstaben ausgelassen.

Bspw., unv. (unverändert), s. (siehe), vgl. (vergleiche), Kap. (Kapitel), Abb. (Abbildung).

Maßeinheiten

Ein weiterer beliebter Fehler mit Bezug zu Abkürzungen entsteht bei Maßeinheiten. Deshalb: Wenn du Maßeinheiten abkürzt, steht zwischen der Ziffer und der Maßeinheit ein Leerzeichen. So wie es das auch täte, schriebest du Ziffer und Maßeinheit aus.

Also:

Ein Meter = 1 m (das Satzschlusszeichen lasse ich hier aus, um Verwirrung zu vermeiden, denn)

Maßeinheiten sind so normiert, dass sie nicht auf einen Punkt enden.

Abkürzungen einführen

Wie etwas korrekt abgekürzt wird, lässt sich in der Regel im Duden nachschlagen oder im Internet erfahren. Im wissenschaftlichen Arbeiten kann es aber auch sein, dass du Abkürzungen „erfinden“ willst, um bestimmte Begriffe nicht immer wieder schreiben zu müssen.

In diesem Fall führst du die Abkürzung zunächst ein. Hierzu schreibst du das Wort aus und setzt die Abkürzung in Klammern dahinter:

Diskurslinguistische Stakeholderanalyse (D. Stan.)

Du führst die Abkürzung ein, sobald du einen Begriff zum ersten Mal nutzt. Im Rest der Arbeit verwendest du dann (außer in Ausnahmefällen) ausschließlich die abgekürzte Version.

Merke: Für Abkürzungen, die im Duden stehen, entfällt die Einführung außer in begründeten Ausnahmefällen. Du solltest jedoch in der gesamten Arbeit entweder bspw. oder beispielsweise schreiben. Hier gilt das Prinzip der Einheitlichkeit.

Abkürzungsverzeichnis

Spätestens in deiner Thesis wird dann auch ein Abkürzungsverzeichnis vonnöten sein. Zwar gibt es das ungeschriebene Gesetz, dass du erst ab fünf nicht im Duden stehenden Abkürzungen ein Verzeichnis anlegen musst, aber: Es kann auch nicht schaden, wenn du unter dieser Marke liegst. Im Abkürzungsverzeichnis stellst du den ausgeführten Abkürzungen die gewählte Abkürzungsvariante gegenüber. Wie das Literaturverzeichnis sollte das Abkürzungsverzeichnis alphabetisch sortiert sein.

Zusatztipp:

Falls du gerade einen Unitext schreibst, hast du ggf. zwischen abgekürzten und ausgeschriebenen Versionen abgewechselt. Mit Word kannst du hier schnell für Einheitlichkeit sorgen. Suche zunächst die Stelle, an der ein abzukürzendes Wort erstmals steht (und schreibe bei eigenen Abkürzungen die Kurzversion wie oben beschrieben in Klammern). Abkürzungen, die im Duden stehen, musst du nicht einführen.

Am besten markierst du diese erste Stelle nun farbig. Dann klickst du auf die Word-Funktion „Ersetzen“, gibst an, wonach du suchst und wodurch du das Gesuchte ersetzen möchtest.

 

Vorsicht: In diesem Fall muss ich wegen der Flexionsformen auch die Version „Diskurslinguistischen Stakeholderanalyse“ ersetzen. Nun klickst du auf „Alle ersetzen“ und hast eine einheitliche Abkürzungsvariante. An der Stelle, an der du die Abkürzung einführst, steht nun jedoch „D. Stan. (D. Stan.)“. Hier schreibst du den Begriff außerhalb der Klammer wieder aus.

Bei genormten Abkürzungen wie s., z. B., bspw. oder ggf. entfällt dieser letzte Schritt sogar.

Und damit: frohes Abkürzen.

Zusammenfassung

In der Regel orientiert sich die Schreibweise von Abkürzungen an den ausgeschriebenen Varianten. Zwischen z. B. steht dementsprechend ein Leerzeichen. Es gibt jedoch Ausnahmen wie uvm. oder etc. In wissenschaftlichen Arbeiten führst du eigene, nicht im Duden stehende Abkürzungen einmal ein und verwendest danach nur noch die abgekürzte Version. Ansonsten gilt das Prinzip der Einheitlichkeit: Du schreibst entweder immer gegebenenfalls oder immer ggf.

Das Deppenleerzeichen im wissenschaftlichen Schreiben

„Kann mal jemand die Deppenleerzeichenpolizei rufen?“

Da blättere ich durch Xing und lese eine Stellenanzeige. Ein Unternehmen sucht dort einen Texter in Festanstellung oder als Fester/Freier. Fester/Freier oder in Festanstellung? Was suchen sie denn jetzt? Ich lese weiter. Was das Unternehmen sucht, wird nicht aufgeklärt. Es ist mir mittlerweile auch schnurzpiepegal, denn ich bin gerade dabei, meinen Laptop anzuschreien:

„Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, ihr D…! Es schreibt sich Social-Media-Berater und nicht Social Media Berater.

Das Deppenleerzeichen – ein weit verbreitetes Phänomen

Selbst in der Stellenanzeige einer Agentur, die Kommunikationsdienstleistungen anbietet, hat es sich also versteckt: das Deppenleerzeichen.

Ich bin darauf allergisch, weil ich diese Deppenleerzeichen wöchentlich aus Hausarbeiten und Abschlussarbeiten entferne. Falsch gesetzte Leerzeichen zählen definitiv zu den häufigsten Fehlern im wissenschaftlichen Arbeiten und auch in der deutschen Schriftsprache allgemein. Zeit, Abhilfe zu schaffen.

Das Deppenleerzeichen vermeiden

Beginnen wir didaktisch wertvoll. Damit du im Verlauf des Textes das Ziel nicht aus den Augen verlierst, kommt hier zunächst die Eselsbrücke:

Wenn du dir bei der Zusammenschreibung großgeschriebener Wörter unsicher bist, hier der Prüfablauf:

1.) Stelle eine Fallfrage an die beiden Ausdrücke. Fallfragen beginnen mit Wer, Wessen, Wem und Wen (oder Was).

a) Akkusativ: Wer betreibt Schiffe auf der Donau?

b) Wen oder was schauen wir uns heute Abend an?

2.) Beantworte die Frage.

a) Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft.

b) Das Fußballspiel.

Die Genitivfrage stellt hier eine Besonderheit dar. Des Fußballs Spiels wird zu des Fußballspiels zusammengezogen. Allerdings findet sich ein solcher Fehler kaum. 

Der Bindestrich als Deppenleerzeichenersatz

Statt die einzelnen Teile von Komposita zusammenzuschreiben, kannst du sie mit Bindestrichen trennen.

Also: Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft und Fußball-Spiel. Beim Social-Media-Berater sind Bindestriche zu empfehlen.

Weiteres Beispiel: Das Leib-und-Magen-Thema.

Das Und wird hier ebenfalls mit Bindestrichen zusammengehalten. Es ist schließlich nicht flektierbar/veränderbar und verbindet Teile des Substantivs.

Ein letzter Flexionstest – die Gefällt-mir-Angabe. 

  1. Wen oder was sehe ich bei Facebook? Die Gefällt-mir-Angabe.
  2. Wer oder was ist erwünscht? Die Gefällt-mir-Angaben.

Mir verändert sich hier bei unterschiedlichen Fallfragen nicht und ist damit fester Bestandteil des Kompositums.

Merke:

Wenn du Bindestriche setzt, dann zwischen allen Bestandteilen des Kompositums.

Das Prinzip der Fehlervermeidung

Wenn ich zu Rechtschreibthemen berate, geht es mir immer um eines: Fehlervermeidung. Mit den bisherigen Tipps vermeidest du Fehler. Im Folgenden weise ich daher nur noch Optionen aus. Aber: Du gehst auf Nummer sicher, indem du eben alle Substantive inkl. Bindewörter zusammenschreibst. Das gilt auch bei Anglizismen, hier mit Bindestrich.

Anglizismen

Im Englischen werden hintereinanderstehende Substantive im selben Kasus übrigens auseinandergeschrieben. Viele Personen meinen, dass das Deppenleerzeichen im Deutschen dadurch entstand. Mit Blick auf die englischen Arbeiten, die mir immer mal wieder vorliegen, kann ich sagen: Quatsch. Das Englisch deutscher Muttersprachler dominiert das Deutsch sicher nicht.

Im Deutschen ist es die beste Lösung, auch Begriffe aus ausschließlich englischen Bestandteilen zusammenzuschreiben.

Beispiel: Stakeholder-Management.

Ich halte hier den Bindestrich für empfehlenswert, nutzt du ihn nicht, musst du den englischen Fachbegriff durch Kursivschreibung kenntlichmachen und in Originalsprache darstellen, also kleingeschrieben. 

Sobald ein Teil des Kompositums ein deutscher Ausdruck ist, werden ohnehin alle Teile zusammengezogen. Wir erinnern uns an den Social-Media-Berater.

***Dieser Abschnitt wurde geändert, da die Option, Anglizismen auseinanderzuschreiben missverständlich ausgedrückt war.

Option 1: Eigennamen

Bei Eigennamen kannst du theoretisch über das Setzen von Bindestrichen oder Leerzeichen selbst entscheiden. Orientiere dich bestenfalls daran, wie der Namensgeber den Eigennamen schreibt.

Beispiel: Die Freudenberg Gruppe oder der BASF-Konzern.

Ich tendiere hier immer zur Verknüpfung durch Bindestrich, da es – du ahnst es – Fehler vermeidet. Vor allem gilt dies bei der Kopplung von Eigennamen und weiteren Substantiven: der BASF-Bericht.

Option 2: Anführungszeichen

Eine dritte Option für Leerzeichen in Komposita bieten Anführungszeichen.

Beispiel: „Leib und Magen“-Thema.

Indem du einen Teil des Kompositums mit Anführungszeichen rahmst, musst du den Bindestrich nur noch zwischen diesem und dem Grundwort (Thema) setzen.

Fertig ist das Mondgesicht?

Nicht ganz.

Ja, es ist doch wie bei allem. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Hier sind es allerdings wirklich kleine Ausnahmen.

  • Zwei Eigennamen: 

Mercedes GLA. In der Verbindung aus Automobilunternehmen und Marke wird ein Leerzeichen gesetzt.

Zusammenfassung

Sei kein Depp, setze Leerzeichen nur dort, wo sie hingehören. Der einfachste Weg hierzu ist: Verbinde die einzelnen Teile von Komposita konsequent.

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