Empirieschablone

Willkommen in Teil 3 der Thesis-Blog-Reihe Empirie. Diesmal geht es um die wissenschaftliche Beschreibung deines Forschungsdesigns. Denn nach der Akquise einer ausreichenden Anzahl von Umfrageteilnehmern und der statistischen Auswertung steht ein Text, der die Prüfer von deinem Vorgehen überzeugen muss. Die folgende Schablone für die Verschriftlichung eines Forschungsdesigns gilt für alle empirischen Methoden.

Erfolgsfaktoren für Forschungsdesigns

Bevor wir zur Empirieschablone kommen, möchte ich zwei Worte zu Forschungsdesigns an sich loswerden. Im Vergleich zu alltäglichem Handeln zeichnet sich empirische Forschung durch Geplantheit und Systematisierung aus – bestenfalls. Dementsprechend gelten für Forschungsdesigns also die Erfolgsfaktoren

Planung

Empirische Forschung muss geplant werden. Wir gehen nicht auf die Straße und befragen irgendwen zu irgendetwas. Vielmehr brauchen wir eine Forschungsfrage, eine Forschungsmethode und einen realistisch-ambitionierten Forschungsablauf. Eine zentrale Rolle für die Planung und Systematisierung der Forschung nimmt dabei das empirische Hilfsmittel (Fragebogen, Interviewleitfaden, Beobachtungsmodell, Experimentaufbau) ein.

Wer seine empirische Forschung nicht zuerst plant, steht bei deren Durchführung und Auswertung vor einem unsystematischen Scherbenhaufen. Diesen in wissenschaftliche Form zu pressen, ist enorm aufwändig bis unmöglich.

Systematisierung

Planst du deine empirische Herangehensweise jedoch anständig, erhältst du ein Analysesystem – dein Forschungsdesign. Mit dieser Systematisierung gelingt es dir, deine Empirie zielgerichtet durchzuführen und ebenso wissenschaftlich wie ergebnisbezogen auszuwerten. Ein systematisiertes Forschungsdesign zeichnet sich zusammenfassend durch Folgendes aus:

Fragestellung, Forschungsstand, empirisches Hilfsmittel und Forschungsdesign passen zusammen.

Nur wenn dir diese Systematisierung gelingt, kann dein Leser verstehen, was du getan hast. Das Verständnis hierfür ist grundlegend, da deine Herangehensweise und Ergebnisse nur so wissenschaftlich bewertet werden können.

Grobverlauf empirischen Arbeitens

So viel zu den Erfolgsfaktoren von Forschungsdesigns, jetzt zur Empirieschablone.

Um diese Schablone zu illustrieren, hier eine Frage:

Was passiert, wenn eine kranke Person zum Arzt geht (optimalerweise)?

  1. Die Person wird untersucht.

Gleichzeitig zur Untersuchung der aktuellen Beschwerden wird das Befinden mit der Krankheitsgeschichte abgeglichen. Unterschiedliche Ärzte gehen dabei unterschiedlich vor. In jedem Fall aber wird dieser Prozess als Anamnese (Vorgeschichte einer Krankheit) beschrieben.

  1. Der Arzt stellt eine Diagnose.

Aufbauend auf Empfinden und Krankheitsgeschichte wird dann eine Diagnose getroffen. Es wird festgestellt, was der Person fehlt.

  1. Ein Behandlungsplan wird erstellt und umgesetzt.

Um die Person zu heilen, wird dann ein Behandlungsplan erstellt und umgesetzt. Dieser basiert auf der Interpretation des Arztes hinsichtlich der Anamnese und der Diagnose.

Nach diesen drei Schritten verfährt auch empirisches Arbeiten:

  1. Wir nehmen den Forschungsstand auf und leiten daraus ein Forschungsdesign ab.
  2. Es folgt die Durchführung der Forschung und die Analyse der empirischen Daten.
  3. Die Fragestellung unserer Arbeit wird mithilfe der Forschung interpretierend beantwortet.

Die Schablone

Um diese drei Schritte wissenschaftlich zu vollführen, müssen wir die empirische Planung, Durchführung und Interpretation vertexten. Die Empirie steht bei deduktiv gegliederten Arbeiten nach dem konzeptionellen Teil und besteht aus:

  • Begründete Wahl der Forschungsmethode,
  • Beschreibung des empirischen Hilfsmittels (Umfrage, Leitfaden, Experiment usw.),
  • Beschreibung der Datenlage/Stichprobe,
  • Datenanalyse,
  • Dateninterpretation und
  • Forschungskritik

Zusammenfassung

Empirisches Arbeiten sollte geplant und systematisiert sein, um den wissenschaftlichen Standards zu entsprechen. Bei der Vertextung der Empirie kannst du dich an der obigen Empirieschablone orientieren.

Social-Media-Posts

Im letzten Beitrag aus dem Thesis-Blog haben wir festgestellt: Die Suche nach Teilnehmern für Online-Befragungen ist wesentlich komplexer, als die meisten annehmen. Wenn du dennoch mitten in der Durchführung einer solchen Befragung steckst, hilft dir das wenig. Deshalb präsentiere ich heute ein paar Ansätze, die deine Suche nach Umfrageteilnehmern doch noch retten könnten.

Take-aways

Zielgruppe ansprechen

Beschreibe deine Zielgruppe genau und sprich sie dann gezielt an.

Text und Bild

Nutze gute Bilder und gute Texte.

Ehrlichkeit

Gib bspw. die Umfragendauer korrekt an, um die Abbruchsquote im Rahmen zu halten.

Alternativen zu Social Media – Wiederholung

Erstmal eine kurze Wiederholung: Im Blogpost „Umfrageteilnehmer finden, Teil 1“ habe ich dargestellt, dass du Umfrageteilnehmer nicht nur in den sozialen Medien finden kannst. Stattdessen fallen Umfragesoftware wie SurveyCircle und Fachforen ebenfalls in den Blick. Darüber hinaus kannst du mit einem klaren Forschungsvorhaben und einem guten Fragebogen dafür sorgen, dass dir deine Teilnehmer wohlgesonnen sind und deine Ergebnisse interpretationsfähig sowie erkenntnisreich ausfallen.

Beispiele für Social-Media-Posts

Beginnen wir unseren Weg durch Umfrageposts mit zwei Beispielen. Was glaubst du? Welcher der folgenden Posts hätte vermutlich mehr Erfolg?

Beispiel 1

Betreff: Dringend Studienteilnehmer gesucht

Hallo,

im Rahmen meiner Bachelorarbeit führe ich eine Umfrage zu den Verhaltensweisen von Kunden beim Kauf von Zahnpasta durch.

Ich bitte Sie, an meiner zehnminütigen Umfrage teilzunehmen.

Sie können sogar etwas gewinnen: Unter allen Teilnehmer verlose ich drei Amazon-Gutscheine im Wert von zehn Euro.

Vielen Dank

Beispiel 2

Betreff: Morgens Elmex, abends Aronal? Umfrage für Bachelorarbeit

Liebe Hygieneliebhaber,

nach welchen Kriterien kaufen Sie Zahnpasta und kaufen Sie jene Zahnpasta, die Ihr Zahnarzt Ihnen empfiehlt?

Hierzu möchte ich in meiner Bachelor-Umfrage gerne Ihre Meinung erfahren: [www.umfrage.de/zahnpasta]

Die Umfrage dauert im Mittel zehn Minuten und beinhaltet zehn Fragen zu den Verhaltensweisen von Kunden beim Kauf von Zahnpasta.

Mit Ihrer Teilnahme unterstützen Sie die Forschung, mich und das Projekt „Kinder putzen Zähne“. Denn pro ausgefüllter Umfrage spende ich 1 €, mit dem das Projekt Flüchtlingskinder mit Zahnbürste und Zahnpasta ausstattet.

Hier noch einmal der Link zur Umfrage: [www.umfrage.de/zahnpasta]

Bitte nehmen Sie teil, damit wir gemeinsam einen Schritt in Richtung Verbesserung der Mundhygiene gehen können.

Viele Grüße

Christian

PS: Sie haben am Ende des Fragebogens die Option, die Forschungsergebnisse zu erhalten. Hierzu benötige ich lediglich eine E-Mail-Adresse.

Ich denke, Post 2 wäre erfolgreicher, obwohl er länger ist. Wie ich zu dieser Einschätzung komme, erkläre ich im Folgenden.

Social-Media-Umfragen sind Online-Marketing

Die Suche nach Umfrageteilnehmern ist Online-Marketing. Anders lässt es sich bei der Menge an Inseraten nicht beschreiben. Du konkurrierst mit etlichen anderen Studierenden um Partizipanten.

Erfolgsfaktoren für Online-Marketing (auch für deine Umfrage) sind Targetierung, Authentizität und Originalität.

Targetierung – sprich deine Zielgruppe an

Das bedeutet aus sprachlicher Sicht, dass du deine Zielgruppe ganz genau ansprechen musst. Du musst antizipieren, welchen Mehrwert ihnen die Teilnahme an der Umfrage bringen könnte (Selbsterkenntnis, gutes Gewissen – weniger ein 10-€-Amazongutschein). Außerdem solltest du echte Begeisterung für dein Thema äußern. Es mag hier komisch klingen, aber es ist für dich, die Teilnehmer und deine Ergebnisse besser, wenn du deine Zielgruppe einschränkst. Zwar hast du dann weniger potentielle Teilnehmer, diese kannst du aber besser ansprechen und so ihr Interesse steigern.

Damit dir das gelingt, gibt es hier eine Liste mit Aspekten, die deine Zielgruppe über deinen Fragebogen wissen sollte:

  • Thema/Forschungsfeld/Forschungsfrage
  • Zielgruppe/Teilnahmebedingungen
  • Dauer
  • Forschungsinteresse und gesellschaftliches Interesse
  • Belohnung (wähle hier einen Wert, der wirklich ins Gewicht fällt. Natürlich wären 10 Euro schöner, aber für 50 kann ich mir zumindest etwas kaufen. Generell liegt die Hauptmotivation deiner Umfrageteilnehmer vermutlich ohnehin weniger im Monetären begründet)
  • Argumentation (Warum sollten Personen nun die Umfrage ausfüllen? Formuliere hier gerne eine Handlungsaufforderung: Nimm bitte jetzt teil und hilf mir dabei, das Personalwesen zu bereichern).

Den Umgang mit Daten (Anonymisierung, keine Weitergabe etc.) kannst du auf die erste Seite deiner Umfrage auslagern.

Zusätzliche Stimulanzen

Wer schreibt, bleibt. Oder: Was geschrieben steht, bleibt und wird besser behalten. Als Linguist nahm ich das mal zum Anlass, den Text über das Design zu erheben – weil alle anderen das Design über den Text zu erheben scheinen.

Erfolg liegt jedoch in der Kombination: guter Text, gutes Bild.

Deshalb solltest du bei deinen Posts auch Bilder verwenden. Am besten solche, die Aufmerksamkeit erwecken.

Originalität

Schau dir an, was alle anderen machen und mache es etwas anders. Und zwar in Bezug auf das, was deine Umfrage auszeichnet (brandaktuelles Thema, sehr kurz, sehr tiefgreifend?). Und vielleicht interessieren sich deine Umfrageteilnehmer ja auch für deine Ergebnisse. Warum bietest du nicht an, einen Ergebnisabriss zu publizieren. Zumindest bei Experteninterviews läuft das exzellent.

Mein Tipp: Betrachte mindestens zehn Inserate von Kommilitonen und überlege, was du anders machen würdest und besser machen kannst.

Ehrlichkeit/Authentizität

Schaue, dass deine potentiellen Umfrageteilnehmer nicht direkt wieder abspringen, weil du sie „anlügst“. Ich breche bspw. jeden Fragebogen ab, der eine unrealistische Zeitangabe enthält.

Wenn deine Umfrage zwölf Minuten dauert, solltest du auch schreiben, dass sie zwölf Minuten dauert. Nur so kannst du die Abbruchsquote, wenn überhaupt, verringern.

Generell ist bei der Gestaltung der Umfragedauer ein Dilemma zu erkennen: Einerseits kannst du die Validität (Gültigkeit) deiner Ergebnisse erhöhen, andererseits wiederholst du dich ggf. und langweilst die Teilnehmer. Gerade wenn die Teilnehmer kein besonderes Interesse an deiner Umfrage haben, wirkt sich das negativ auf die Ergebnisse aus und begrenzt wiederum die Validität deiner Ergebnisse.

A/B-Marketing

Gerade zu Beginn deiner Suche nach Umfrageteilnehmern solltest du zunächst ausprobieren, was funktioniert. Im Marketing wird dieses Ausprobieren unter A/B-Marketing systematisiert. Dabei verpackst du einen Inhalt auf unterschiedliche Arten und Weisen. Sagen wir, du wählst zwei verschiedene Belohnungen.

  1. Amazon-Gutscheine
  2. Spenden pro Umfrageteilnehmer (pro ausgefülltem Fragebogen spende ich 50 Cent an das Projekt xy)

Anschließend überprüfst du, mit welcher Version du mehr Umfrageteilnehmer erzielst. Ebenso kannst du Bilder, Texte und Argumentationen vergleichen. Wichtig: Du kannst prinzipiell nur eine Dimension verändern, um die Ergebnisse auf diese Dimension zurückführen zu können. Also verändere entweder die Belohnung oder das Bild, um am Ende einen optimalen Post absetzen zu können.

Zusammenfassung

Die Vielzahl von Online-Umfragen bei Abschlussarbeiten führt zu hohem Konkurrenzdruck. Deshalb ist die Teilnehmerakquise im Netz quasi Online-Marketing. Mit Originalität, Authentizität und Targetierung (direkte Ansprache deiner Zielgruppe) kannst du dich hier von anderen Teilnehmersuchenden absetzen.

Umfrageteilnehmer finden – Teil 1

Möglichkeiten der Teilnehmerakquise – auf welchen Wegen du Teilnehmer für deine Umfrage finden kannst

Interviewpartner, Umfrageteilnehmer, Datensätze – wer empirisch arbeitet, muss zunächst auf die Suche nach geeigneten Informationen gehen.

Gerade bei Online-Umfragen treten hierbei unerwartete Herausforderungen auf. Denn auch in den sozialen Medien wachsen Personen, die sich Zeit für eine Umfrage nehmen, nicht auf Bäumen. Was tun, wenn du nicht genügend Umfrageteilnehmer für deine Bachelor- oder Masterstudie findest?

Soziale Medien

Die erste Möglichkeit, um Umfrageteilnehmer zu finden, leuchtet ein: die sozialen Medien selbst. Bei Facebook oder Instagram kannst du nach Umfrageteilnehmern suchen, wobei Instagram wegen der fehlenden Möglichkeit, deine Umfrage im Text zu verlinken, schon etwas schwieriger ist. Innerhalb der Netzwerke wiederum kannst du Gruppen (themenbezogen, unibezogen oder ortsbezogen) nutzen.

Daneben bieten sich Berufsnetzwerke wie Xing oder LinkedIn an. Solltest du studieren und noch keinen Xing- oder LinkedIn-Account haben, rate ich dir wie viele, viele andere dazu, dir einen solchen zuzulegen. Und das nicht nur, um Teilnehmer für deine Umfrage zu finden, sondern auch für die Zeit nach dem Studium.

Auch in den Berufsnetzwerken findest du themenbezogene, regionale und unibezogene Gruppen, die du bespielen kannst. Um zu klären, welche Gruppen interessant erscheinen, hier drei Orientierungsfragen:

  • Wo finde ich Personen, die hilfsbereit sind?
  • Welche Personen, können sich in meine Situation hineinversetzen?
  • Wer hat ein Interesse an meinem Forschungsvorhaben und dessen Ergebnissen?

Fachforen

Neben den großen sozialen Netzwerken solltest du regionale und fachbezogene Onlinegruppen suchen. Gerade dort, wo Personen bereit sind, Fragen zu beantworten und sich gegenseitig zu helfen, kannst du mit einem themenbezogenen Post punkten. Suche also auch nach Foren, in denen es konkret um dein Forschungsthema geht.

Plattformlösungen

Möglichkeit drei der Teilnehmerakquise stellen Plattformlösungen dar. Das Problem zu weniger Umfrageteilnehmer ist nicht erst gestern entstanden, weshalb es mehrere Plattformen zur Durchführung von Online-Umfragen und der Gewinnung von Teilnehmern gibt. Ein Beispiel hierfür ist das Mannheimer Start-up SurveyCircle.

Offline-Befragung

Wenn nichts mehr hilft, musst du deine Online-Befragung um eine Offline-Befragung ergänzen. Das ist nicht der Königsweg, klar. Es kann aber helfen. Drucke deinen Fragebogen aus und frage auf der Straße/vor Ort. Überlege zuvor, wo du deine Zielgruppe am ehesten antriffst.

Vielleicht denkst du, dass deine Prüfer keine Fans von diesem Vorgehen sind. Ich denke, es ist aber in jedem Fall besser, als die angestrebte Stichprobengröße nicht zu erreichen. Zudem kannst du das Vorgehen auch mit deinem Prüfer besprechen.

Eine Verteilung per Mail oder Brief fällt ebenfalls in den Blick. Beachte dabei jedoch datenschutzrechtliche Aspekte.

Taktiken zur Generierung von Umfrageteilnehmern

Neben den genannten Anlaufstellen für Umfrageteilnehmer möchte ich kurz auf zwei Taktiken der Teilnehmerakquise eingehen:

Teilnahme an anderen Umfragen

Du kannst an anderen Umfragen teilnehmen und die Ersteller dieser Umfragen bitten, sich zu revanchieren. Sehr zeitaufwändig, aber in Erwägung zu ziehen.

Multiplikatoren

Etwas sinnvoller ist es, Multiplikatoren für deine Umfrage zu finden. Frage Freunde, Familie und Kommilitonen, ob sie bereit sind, deine Umfrage zu teilen und weiterzugeben. Vielleicht ist der oder die eine oder andere sogar willens, weitere Multiplikatoren einzuspeisen. Das wird allerdings nur funktionieren, wenn du deinen Multiplikatoren einen klaren Auftrag und am besten einen vorformulierten Text mit an die Hand gibst.

Denn: Das bloße Teilen deiner Umfrage durch einen Freund (evtl. mit einem Smiley versehen) könnte zu wenig sein, um das Interesse deiner Zielgruppe zu wecken.

Gib also lieber die wichtigsten Infos zu deiner Umfrage weiter und bitte deine Multiplikatoren, diese aufzugreifen (welche Infos das aus meiner Sicht sind, erfährst du im nächsten Blogpost).

Viel Erfolg bei der Teilnehmersuche 🙂

Zusammenfassung

Um Teilnehmer für empirische Online-Umfragen zu finden, kannst du einerseits in den sozialen Netzwerken auf die Suche gehen. Andererseits sind Fachforen und Plattformlösungen wie SurveyCircle interessante Ansatzpunkte für die Generierung von Umfrageteilnehmern. Wenn online nichts mehr geht, solltest du klassische Offline-Befragungsmethoden in Erwägung ziehen.

Was du anstelle von Online-Umfragen empirisch tun kannst

Halt! Stop! Umfrageteilnehmer gesucht! Für meine Bachelorarbeit zum Thema „Online-Marketing in kleinen und mittelständischen Unternehmen“ suche ich ganz dringend noch einige Studienteilnehmer. Alle können mitmachen. Danke.

Bei Facebook, Xing oder LinkedIn gibt es derlei Gesuche nach Studienteilnehmern wie Sand am Meer – täglich. Mit jedem Post sinkt dabei die Wahrscheinlichkeit für einzelne Personen, wirklich genügend Studienteilnehmer zu finden. Warum entscheiden sich trotzdem so viele Studis für Online-Umfragen und welche Alternativen gibt es?

Take-aways

Online-Umfrage, ja oder nein?

Online-Umfragen sind nicht alternativlos und werden überschätzt.

Empirische Kategorien

Klassische und grobe empirische Kategorien sind Befragung, Experiment, Umfrage und Beobachtung.

Bewusste Wahl

Informiere dich über empirische Herangehensweisen und entscheide dich dann bewusst für eine Methode.

Das Problem mit Online-Umfragen

Paula studiert berufsbegleitend BWL. Noch hat sie keine empirische Arbeit in ihrem Studium geschrieben (Warum du empirische Arbeiten schreiben solltest: www.thesis-blog.de/gruende-fuer-empirie). An ihrem Lehrstuhl ist es jedoch gang und gäbe, dass zumindest in der Abschlussarbeit empirisch gearbeitet wird. Paula denkt über ihre Möglichkeiten nach und entscheidet sich für eine Social-Media-Umfrage. In der Besprechung mit ihrem Prüfer erfährt sie: 150 Umfrageteilnehmer sollten es schon sein, damit die Stichprobe ausreichend heterogen und robust ist.

Da Paula noch nie empirisch gearbeitet hat, weiß sie nicht, was eine ausreichend heterogene und robuste Stichprobe ist. Aber egal. 150 Umfrageteilnehmer wird sie mit ihren 700 Facebook- und 500 Insta-Kontakten schon zusammenbekommen. Und dann gibt es ja auch noch Berufsnetzwerke.

Doch Paula macht einen entscheidenden Denkfehler: Es ist nämlich keineswegs einfach, außerhalb des engsten Freundeskreises und der Familie Umfrageteilnehmer zu finden. Erst recht nicht solche, die sich für die Beantwortung von Paulas Fragen ausreichend Zeit nehmen.

Nach drei Wochen liegen Paula 45 Umfrageergebnisse vor, es fehlen 105. Sie wird zunehmend nervös, denn neben der Akquise von Umfrageteilnehmern hat sie quasi noch nichts bewerkstelligt. So aufwändig hat sie sich eine Online-Umfrage sicherlich nicht vorgestellt.

Und mittlerweile hat sie begriffen: Ich muss wirklich gute Posts absetzen, um überhaupt voranzukommen, denn die Konkurrenz ist sehr groß.

Vermutlich wird Paula später auch sehen, dass ihre Umfrageergebnisse nicht die gewünschte Qualität haben. Online kann es viele Abbrecher geben, da die Bearbeitungszeit ggf. zu lang ist. Außerdem können wir die Situation, in der die Fragebögen ausgefüllt werden, nicht kontrollieren und nur schwer beschreiben.

Wie damit umzugehen ist und wie Paula ihre Situation ggf. retten kann, beschreibe ich in den kommenden Wochen. Jetzt soll es erstmal um folgende Frage gehen: Was hätte Paula anstelle der Online-Umfrage tun können?

Empirische Alternativen zu Online-Umfragen

Befragungen

Paulas Kommilitoninnen und Kommilitonen, die sich ebenfalls für eine Social-Media-Umfrage entschieden haben, geht es kaum anders. Neidisch blicken sie auf Paul, Petra und Pius. Zwar sind sie seit zwei Wochen dabei, ihre geführten Interviews zu transkribieren, doch zumindest ist für sie ein Ende in Sicht.

Paul, Petra und Pius mussten sechs bis zehn Interviews führen. Im Durchschnitt dauerten diese etwa 40 Minuten. Es ist ihnen vergleichsweise leichtgefallen, Interviewpartner zu finden. Der Grund: Sie konnten ihre Stichprobengruppe gezielt und persönlich ansprechen.

Experimente

Philipp ist einen dritten Weg gegangen. Er führt eine Art Planspiel zu einer betriebswirtschaftlichen Effizienztheorie durch. Hierzu vergleicht er die Ergebnisse von drei verschiedenen Simulationsprogrammen. Auch für ihn bestand die erste Hürde der empirischen Herangehensweise darin, vergleichbare und interpretierbare Ergebnisse zu gewinnen. Doch mit den quantifizierten Ergebnissen kann er nun gut arbeiten.

Beobachtungen

Da Philipp sich vor der Bachelorarbeit intensiv mit empirischen Methoden auseinandergesetzt hat, konnte er seinem besten Freund Peter einen gewinnbringenden Tipp geben: Beobachte doch einen Prozess oder das Verhalten von Kunden bei der Konfrontation mit euren Mitarbeitern/eurer Marke. Peter kannte die Beobachtungsmethoden nicht, hielt sie schließlich aber für interessant. So beobachtete er nach Abstimmung mit seiner Firma, wie Mitarbeiter im Kundenkontakt agieren und wie Kunden auf gezielte Aktionen der Mitarbeiter antworten. Gerade ist er dabei, seine Ergebnisse zusammenzufassen. Tatsächlich erkennt er große Potentiale in der kundengerechten Mitarbeiterkommunikation seiner Firma und freut sich, dass Philipp ihn auf die Methode der Beobachtung hingewiesen hat.

Qualitative Kategorien

  • Beobachtung
  • Befragung

Quantitative Kategorien

  • Experiment
  • Umfrage

Mit diesen Beispielen sind vier große Kategorien der empirischen Sozialforschung beschrieben.

In der Ausgestaltung und Kombination dieser Methoden (Stichwort: Mixed Methods) sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass die empirische Herangehensweise systematisch aufgebaut, erklärt und interpretiert wird. Zudem muss die Herangehensweise realistisch betrachtet werden:

  • Wie viele Interviews kann ich im Bearbeitungszeitraum meiner Thesis führen?
  • Wie viele Fälle kann ich durch eine Simulation laufen lassen?
  • Was ist eine ambitionierte und zugleich machbare Anzahl an ausgefüllten Fragebögen?

Ohne Aufwand kein Ertrag

Hierzu musst du dich mit den Vor- und Nachteilen der empirischen Methoden auskennen. Und du musst realisieren: Empirisches Arbeiten ist immer aufwändig. Das haben empirische und Theoriearbeiten übrigens gemeinsam. Ganz ohne Aufwand erhältst du kein gutes Ergebnis.

In Sammelwerken über die Methoden empirischer Sozialforschung kannst du dich über die Vor- und Nachteile verschiedener Methoden informieren. Deine Aufgabe ist es dann, eine bewusste Methodenentscheidung zu treffen (die du dann auch in deiner Arbeit begründest). Die Leitfrage hierzu lautet:

Warum passt die gewählte empirische Methode zur Makrostruktur meiner wissenschaftlichen Arbeit?

Wenn du dich nach dieser Recherche für eine Online-Umfrage entscheidest, ist das wunderbar. Du solltest jedoch nicht mangels Alternativen und im Glauben an die unendliche Macht der sozialen Netzwerke zu dieser Methode greifen.

Also, so nicht:

Zusammenfassung

Online-Umfragen als empirische Methode erscheinen einfach und effizient. In Wahrheit sind sie nicht einfacher und auch nicht effizienter als andere empirische Methoden. Deshalb sollten Studierende sich zuerst mit empirischen Methoden auseinandersetzen und dann eine bewusste Methodenentscheidung treffen.

Leitfaden für deine Unitexte

Alle Wege führen nach Rom.

Das gilt auch für wissenschaftliche Arbeiten. Dass alle Wege nach Rom führen, bedeutet jedoch nicht, dass alle Reisenden gleich schnell in die italienische Hauptstadt gelangen. Flug oder Kutsche machen doch einen gewaltigen Unterschied. Es bedeutet auch nicht, dass alle zur gleichen Zeit angelangen. Und schließlich unterscheidet sich die Qualität der Reisen bzw. wissenschaftlichen Arbeiten. Der nachfolgende Leitfaden zeigt dir, wie Thesis-Piloten ihre Wissenschaftsreise bestreiten. Er stellt dar, wie du zügig und optimal nach Rom kommst.

Take-aways

Vorbereitung

Nimm dir Zeit für die Vorbereitung deiner Thesis.

Strukturieren

Gliedere früh und hol dir direkt dein erstes Feedback.

Empirie, Literatur, Text

Fasse empirisches Arbeiten, Literaturarbeit und Schreiben als dynamische Prozesse.

Überarbeite

Plane Zeit für die Überarbeitung ein.

Planung deiner wissenschaftlichen Reise

Zu jeder gelungenen Reise gehört eine gute Reiseplanung. Was für exotische Reisen der Impfschutz und die Einreisebedingungen sind, bilden für uns die Bewertungskriterien wissenschaftlicher Arbeiten.

Diese musst du kennen, um gut zu reisen. Bewertungskriterien sind grob:

  • Formalia
  • Sprache
  • Struktur
  • Inhalt
  • Literaturarbeit

Mit den Bewertungskriterien gehen etliche Anforderungen einher, die wir auf der Reise in Form von Meilensteinen abarbeiten.

Meilenstein 1: Vorbereitung

Wann packst du deine Reisetasche? Vor der Reise, auf der Reise oder nach der Reise? Klar, vor der Reise packst du, auf der Reise rüstest du nach. Dieses Nachrüsten kann teuer sein und Zeit kosten. So ist es auch bei wissenschaftlichen Arbeiten. Was du vorab klärst, verursacht später keine Bauchschmerzen mehr.

Setze dir also bestenfalls vor der Reise ein Ziel und plane den Weg mehr oder minder grob (mehr zur Vorbereitung www.thesis-blog.de/organisation). Zudem solltest du dir ein Thema suchen, das dich begeistert (www.thesis-blog.de/themenwahl). Alle gesammelten Informationen und technischen Voraussetzungen, die du hier schaffst, sorgen für Zeitersparnisse am Ende.

Meilenstein 2: Makrostruktur

Nach der Vorbereitung begegnet uns schnell die erste Weggabelung. Möchtest du zunächst einfach loslegen oder bist du bereit, in die Struktur deiner wissenschaftlichen Arbeit zu investieren? Ich rate zur Struktur. Wenn du ein Thema gewählt hast, das dich begeistert und bei dem du dich auskennst, kommst du überraschend schnell zu einer guten Makrostruktur. Zu dieser Makrostruktur zählen:

  • Titel
  • Fragestellung
  • Hypothesen
  • Ziel der Arbeit
  • Gliederung

Natürlich kannst du auch erst ein bisschen lesen, um dein Thema abzustecken. Allerdings gelingt es Thesis-Piloten wirklich zügig und intuitiv, gute Gliederungsentwürfe zu erstellen. Die Vorteile des frühen Strukturierens: Du hast von Beginn an eine gute Orientierung und du kannst deinen Prüfer direkt konstruktiv einbinden.

Meilenstein 3: Inhalte erarbeiten und vertexten

Nach der Makrostruktur folgt die tiefgehende Erarbeitung der Inhalte. Da unterschiedliche Schreibtypen unterschiedlich zu guten Ergebnissen kommen, gilt hier: Fasse empirisches Arbeiten, Literaturarbeit und Schreiben als dynamische Prozesse.

Literaturarbeit, Empirie, Schreiben

Es ist in den seltensten Fällen sinnvoll, zunächst die komplette Literatur zu lesen oder die Empirie vor allem anderen zu finalisieren.

Das liegt daran, dass Empirie, Literaturarbeit und der Text dasselbe Thema haben und sich dementsprechend ergänzen. Außerdem sparst du eine Menge Zeit, wenn du bspw. nach einem Teil der Literaturarbeit ein Kapitel schreibst. Denn beim Schreiben bringen wir unsere Gedanken und das Gelesene in eine chronologische, normierte Form. Es steht dann da, wir können daran weiterarbeiten und erkennen, wo es noch Lücken gibt. Zudem generieren wir beim Schreiben weitere Ideen. Wir erkennen, wo es hingehen soll.

Ähnlich sieht es bei der Empirie aus. Wenn wir die ersten Ergebnisse vorliegen haben, bevor wir die komplette Literatur lesen, können wir die Ergebnisse besser mit dem Forschungsstand abgleichen – intuitiv. Ich setze hier wirklich auf deine Intuition. Du musst dich auf diesen Prozess einlassen.

Mit der Empirie lässt sich ein weiterer Vorteil erkennen: Wenn wir Umfragen rausschicken oder Interviews führen, müssen wir zunächst Teilnehmer/Interviewpartner finden. Das kann und sollte aus zeitlichen Gründen parallel zur Literaturarbeit und zum Schreiben stattfinden.

Meilenstein 4: Ergebnisse

Die Inhalte deiner Arbeit sind das wesentliche Kriterium für deine Note. Dementsprechend ist dieser Teil der längste deiner Reise. Aus den Inhalten werden schließlich auch die Ergebnisse deiner Arbeit.

Meilenstein 5: Überarbeitung

Herzlich willkommen in Rom. Du hast deine Reise absolviert, aber: Deinem Prof genügt es nicht, dass du gereist bist. Er möchte einen Reisebericht lesen.

Wahrscheinlich bist du an diesem Punkt schon etwas genervt. Es ist doch schon alles da. In der Überarbeitung deiner Arbeit liegt jedoch ein riesiges Notenpotential. Deshalb solltest du dir für die Überarbeitung genügend Zeit einplanen und nehmen. Ansonsten gibst du einen Erstentwurf ab, der deiner Reise nicht gerecht wird. Das machen die meisten Studierenden und nehmen Noten in Kauf, die wesentlich besser sein könnten.

Im Prinzip musst du deine Arbeit an dieser Stelle hinsichtlich aller Bewertungskriterien überarbeiten und korrigieren. Dazu zählt nicht zuletzt das Lektorat.

Zusammenfassung

Wissenschaftliches Arbeiten ist eine Reise mit etlichen Zwischenstationen.
Im Thesis-Piloten bestreiten die Studierenden ihren Weg nach den Meilensteinen Vorbereitung, Makrostruktur, Inhalten erarbeiten und vertexten, Ergebnisse und Überarbeitung.
Insgesamt entstehen dadurch sieben Kapitel des wissenschaftlichen Arbeitens.

Warum du empirische Arbeiten schreiben solltest

„Ich schreibe eine Theoriearbeit, dann muss ich nicht forschen und spare Zeit.“

So oder so ähnlich argumentieren Studierende, wenn sie sich gegen eine explizite empirische Forschungsarbeit entscheiden. Dabei ist empirisches Forschen gleich in mehrerlei Hinsicht sinnvoll. Warum erklärt dieser Beitrag.

Definition Empirie

Bevor wir zur Argumentation pro empirischer Forschung kommen, zunächst eine Definition:

Die Adjektive wissenschaftlich und systematisch entfernen empirische Forschung von Alltagshandeln. Denn empirisches Vorgehen überprüft Annahmen, bevor es Schlüsse zieht. Im Alltag ziehen wir oft zuerst unsere Schlüsse und handeln, dann denken wir darüber nach, was gegebenenfalls schiefgelaufen ist – wenn überhaupt.

Um systematische und vergleichbare Forschung zu ermöglichen, bedienen sich Wissenschaftler verschiedener Methoden. Diese untergliedern sich grob in qualitative und quantitative Methoden. Dazwischen stehen die Mixed Methods, also solche Methoden mit quantitativen und qualitativen Anteilen. Doch das ist erstmal nicht unser Thema. Es geht darum zu erklären, warum du generell empirisch arbeiten solltest. Hier kommen drei Gründe.

Grund 1: Du hast selbst etwas getan

Meiner Erfahrung nach fürchten sich viele Studierende vor fehlender Originalität in ihren Uniarbeiten. Das ist verständlich, schließlich sollen wir zumindest im konzeptionellen Teil unserer Arbeiten immer wieder auf andere Autoren verweisen. Nur dadurch machen wir deutlich, auf welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und fundierten Meinungen wir uns beziehen. Doch wo bleibt da der eigene Anteil, den wir ja auch erbringen sollen?

Erstmal gibt es genügend Ansatzpunkte, um eigene Gedanken in wissenschaftliche Arbeiten einzubauen. Vor allem gilt dies für Kapitelzusammenfassungen, beim Rückbezug auf die Fragestellung und bei der Interpretation deiner Ergebnisse. Außerdem ist es bereits eine Eigenleistung, den Forschungsstand an deiner Fragestellung ausgerichtet darzustellen und zu interpretieren. Ich gebe jedoch zu: Zu dieser Ansicht musst du erstmal gelangen. Es ist nicht ganz so einfach, von einer originellen Leistung auszugehen, wenn hinter jedem Gedankengang ein Beleg steht. Abhilfe schafft hier empirisches Vorgehen. Führst du eine Umfrage oder Interviews durch beziehungsweise wertest du Datensätze systematisch aus, hast du etwas getan. Und das kannst du beschreiben und interpretieren. Die Empirie ist deine Eigenleistung. Damit kannst du die Angst vor zu wenig Aktivität getrost in die Ecke werfen.

Grund 2: Du lernst mehr – gerade mit Praxisbezug

Wer reflektiert, lernt. Am besten funktioniert Reflexion vor niedergeschriebenen bzw. fixierten Annahmen. Im wissenschaftlichen Arbeiten sprechen wir hier von Hypothesen. Testest du Hypothesen im Beruf, verbesserst du dich – das ist meine Überzeugung.

Empirisches Vorgehen ermöglicht es dir, Mittel und Wege zum Testen von Hypothesen kennenzulernen. Nicht zuletzt die Marktforschung nutzt wie die Wissenschaft quantitative wie qualitative Methoden. Empirisches Forschen hat folglich einen recht hohen Praxiswert.

 

Grund 3: Sie schreiben sich leichter

So viel zu den schönen Begleiteffekten empirischer Forschung. Jetzt kommt der Effizienzaspekt ins Spiel. Empirische Arbeiten schreiben sich leichter. Du hast deine empirischen Ergebnisse vorliegen und kannst zu diesen einen Text verfassen, der in der Regel 50%+ deiner Arbeit ausmacht. Dabei beschreibst du „einfach“, was du getan hast. Wie du deine Empirie geplant, durchgeführt, analysiert und evaluiert hast. Und nicht zuletzt, wie du die Ergebnisse deutest.

Der Aufbau des empirischen Teils ist stark genormt und deshalb dankbar. Außerdem beschäftigst du dich im empirischen Teil mit denselben Themen wie in der Konzeption, sodass du hier eine inhaltliche Wiederholung etablierst, mit der du Zeit sparst. Denn ganz provokativ gesagt beantwortest du deine Fragestellung in einer empirischen Arbeit doppelt. Zuerst nach dem aktuellen Forschungsstand, wobei du eine Forschungslücke oder einen erweiterten Forschungsbedarf feststellst. Und dann aus empirischer Perspektive, indem du ein begründetes Forschungssetting zur Beantwortung deiner Fragestellung aufsetzt.

Aus meiner Sicht übersteigen die Erleichterungen den scheinbaren empirischen Zusatzaufwand (Fragebogenerstellung usw.). Bei einer reinen Theoriearbeit hast du keine Handlungen, die du beschreiben kannst. Vielmehr musst du sehr tief in eine Materie eintauchen, um originelle Ergebnisse zu erzielen. Das kann auch Spaß machen, keine Frage. Bei deiner nächsten Arbeit solltest du die genannten Gründe für die Empirie dennoch berücksichtigen.

Zusammenfassung

Empirisches Arbeiten erscheint vielen Studierenden als unangemessener Zusatzaufwand. Dabei zahlt sich empirisches Forschen für dich kurz-, mittel- und langfristig aus. Denn empirische Arbeiten schreiben sich nicht nur leichter, sie bringen richtig durchgeführt auch wesentliche Lerneffekte mit sich.

Software sinnvoll nutzen

Das ist der Hammer: Du klickst in deiner Word-Vorlage auf Aktualisieren und…

in China fällt kein Sack Reis um, dein Puls bleibt auf einem stabilen Niveau, die Vögel zwitschern unbekümmert weiter und die Sonne scheint jetzt noch genauso wie vor einer Sekunde. Kurzum: Es passiert nur das, was passieren soll. Word erneuert deine Seitenzahlen und passt deine Überschriften an.

Selbstverständlich ist das leider nicht.

Das Problem mit Software an der Uni

Hand aufs Herz: Hast du eine vollautomatisierte Word-Vorlage (oder eine Vorlage aus einem anderen Textverarbeitungsprogramm)? Nutzt du Software zur Literaturverwaltung (Citavi, Endnote etc.) so, dass du schneller vorankommst? Und hat dir im Studium mal jemand beigebracht, diese Software sinnvoll zu nutzen?

Ich nehme an, dass du mindestens eine dieser Fragen mit Nein beantworten musst. Falls nicht, kannst du hier mit dem Lesen aufhören. 😊

Ansonsten erkläre ich dir nun, was ich von Software halte und wie ich sie beim wissenschaftlichen Arbeiten einsetze. Wir konzentrieren uns dabei auf die Textverarbeitung und die Literaturverwaltung. Natürlich gelten die genannten Prinzipien auch für Präsentationen oder Systeme des Materialmanagements.

Prinzip der Automatisierung

Kommen wir zunächst zum großen Vorteil von Softwarelösungen für dein wissenschaftliches Arbeiten: Wenn du Software sinnvoll einsetzt, sparst du eine Menge Zeit. Denn die Software automatisiert deine Arbeitsschritte.

Beispiele:

  • Citavi erstellt dir ein automatisiertes Literaturverzeichnis
  • Word aktualisiert deine Gliederung und deine Formatvorlagen automatisch
  • Citavi sorgt dafür, dass deine Zitation einheitlich ist
  • Word stellt sicher, dass Seitenränder, Schriftarten und -größen eingehalten werden.

Allerdings nur beim sinngemäßen Gebrauch der Software. Zuvor ist Software eine zusätzliche Anforderung wissenschaftlichen Arbeitens – mit der sich viel zu wenige Studierende intensiv auseinandersetzen.

Der Normalfall

Es ist daher normal, dass sich Studierende kurz vor Abgabe ihrer Unitexte mit der Formatierung herumquälen. Ein, zwei Arbeitstage gehen dabei schnell ins Land. Versuche alleine mal, ein Inhaltsverzeichnis manuell zu erstellen – furchtbar.

Auf der anderen Seite wird Software schnell zum Angstthema. Blühende Verfechter von Citavi können dich gefühlt zwei Jahre mit den Funktionen und Möglichkeiten der Literaturverwaltung beschäftigen. Kurz vor Abgabe und kurz vorm Ende deines Studiums hast du allerdings Wichtigeres zu tun, nehme ich an.

Sinnvoller Umgang mit Software

So oder so: Die Erfüllung der formalen Vorgaben entscheidet in der Regel zu 10 % über deine Note. Und von diesen 10 % muss wirklich niemand etwas verschwenden.

Mir ist wichtig, dass du selbst einen guten Umgang mit Software findest. Ich nutze Word, um eine Vorlage zu erstellen, die sich dann automatisch aktualisiert. Ich schreibe aber keine Hintergrundprogramme oder Ähnliches. Für die Literaturverwaltung habe ich in den letzten vier Arbeiten meines Studiums Citavi genutzt. Mit dem Citavi-Picker und der Word-Integration bin ich dabei gut gefahren.

Und was schlage ich dir vor?

Bevor du deinen Umgang bestimmst, solltest du dir drei Fragen stellen:

  • Wie steht es um deine Softwarenutzung im Studium?

Hast du bereits eine Word-Vorlage und ein Programm für die Literaturverwaltung? Wunderbar.

  • Wie viele Unitexte hast du noch vor dir?

Für eine Bachelorthesis mit Citavi anfangen halte ich für fragwürdig. Mit ein paar Tricks lässt sich die Zitation auch ohne gut meistern. Hast du noch zwei Arbeiten zum Ausprobieren, sieht es anders aus.

  • Wie viel Erfahrung hast du im Umgang mit Software?

Wenn du dich schnell in Software einarbeitest, kannst du dich auch schnell in Word einarbeiten.

Je nachdem, wo du stehst, wählst du deinen Umgang mit Software. Wie beim Schreiben: Du! wählst den für dich richtigen Umgang mit Software. Nutze jene Softwareaspekte, die du für sinnvoll erachtest und die dir Zeit sparen.

Alternativlos

Eine Word-Vorlage erachte ich übrigens als alternativlos. Du kannst diese in 30 Minuten bis zwei Stunden erstellen. Bestenfalls erledigst du das zu Beginn der Bearbeitungszeit deines Unitextes.

Damit dir der Umgang mit Word etwas leichter von der Hand geht, gibt es hier eine Liste mit den wichtigsten Formatierungsinformationen. Wenn du diese sammelst, kommst du schnell zur Word-Vorlage:

  • Seitenränder (oben, unten, links, rechts):
  • Schriftart und –größe:
  • Zeilenabstand
  • Formatierung Überschriften:
  • Seitennummerierung:
  • Gestaltung von Verzeichnissen
  • Gestaltung von Abbildungen
  • Zitationsstil: [Harvard oder Fußnote, bei Fußnoten: Schriftart und -größe, Zeilenabstand]?
  • Bestandteile der Arbeit: [Deckblatt, Verzeichnisse, Eigenständigkeitserklärung etc.]

Zusammenfassung

Software für Literaturverwaltung und Textverarbeitung kann die Effizienz deines Arbeitens erhöhen. Wähle den Einsatz der Software dabei so, dass er zu deiner Studiumssituation passt.

Ordnung ist das halbe Leben – Organisation deiner Uniprüfungen

Es war einmal ein Student namens Christian, meist als chaotisch beschrieben, der am Folgetag eine Hausarbeit abgeben musste. Sie war noch nicht redigiert, die Word-Datei sah furchtbar aus und während er weiterschrieb, entfloss sein Geist in eine große Angst: Habe ich mal wieder einen Organisationsaspekt vergessen?

Nach einem Powernap schnellte der Kopf des Studenten hoch und er schlug die Vorgaben seiner Uni auf. „Halleluja!“, dachte er. „Das Ding muss ja auch noch gedruckt werden.“

Der Vorsatz, diesmal keine Kurz-vor-Abgabe-Nachtschicht einzulegen – ad acta gelegt. Alle Termine abgesagt und weiter geht’s. Happy End? Ja, der Prof hat die Vorgaben nicht ganz so genau genommen und die Formatierung ging einigermaßen. Ende der Geschichte, zurück ins Leben.

Take-aways

First Things First

Erledige die Organisation so früh wie möglich, um böse Überraschungen zu vermeiden

Einweg-Informationssammlung

Sammle die organisatorischen Informationen zu deiner Prüfung in einem Durchgang

Gesamte Organisation

Denke nicht nur an die Anmeldung und die Inhalte deiner Prüfung, sondern kläre die Abmeldung und den Druck direkt mit.

First Things First

Damit du dich kurz vor der Abgabe auf das Wesentliche (lernen oder schreiben) konzentrieren kannst.

Nehmen wir an, du bist kein Zeitmanagementprofi. Und weiter, dass du die ein oder andere Prüfung im Studium erst kurz vor knapp angegangen bist. Wie kann es dir gelingen, dass dich am Ende deiner Bearbeitungszeit zumindest keine böse Überraschung erwartet. Ganz einfach: First Things First. Bevor du mit deiner Arbeit startest oder ganz zu Beginn der Bearbeitungszeit, solltest du dir ein paar Minuten für die Organisation nehmen.

Merke: Wenn du das Organisatorische schon vor oder zu Beginn des Bearbeitungsbeginns klärst, vermeidest du Drucksituationen.

Du steckst bereits mitten in der Arbeit? Dann hole die Organisation nach.

Elemente der Thesis-Organisation

Zu den organisatorischen Elementen zählen die Vorgaben und Erwartungen zu deiner Prüfung, technische Grundlagen und dein Zeitmanagement.

Wir konzentrieren uns hier auf die Vorgaben und Erwartungen zu deiner Prüfung. Die übrigen Aspekte behandle ich in den kommenden Wochen.

Vorgaben und Erwartungen an deine Prüfung

Die Leitfrage zu dieser organisatorischen Kategorie ist denkbar einfach: Was erwarten deine Uni, dein Studiengang und deine Prüfer von deiner Prüfung?

Vorgaben und Erwartungen gehen dabei Hand in Hand. Deine erste Aufgabe ist es, alle Informationen zu diesen Themen zusammenzusuchen.

Anlaufstellen:

Welche Dokumente mit Unianforderungen gibt es (Prüfungshandbuch, Modulhandbuch, allgemeine Regeln zum wissenschaftlichen Arbeiten etc.)?

Wie hat dein Prüfer seine Erwartungen formuliert bzw. hat er auch ein Dokument mit Vorgaben und Erwartungen verteilt? [Du kannst auch Kommilitonen, die die betroffene Prüfung bereits abgelegt haben, befragen]

An wen kannst du dich wenden, um offene Fragen zu klären (Prüfungsamt usw.)?

Welche Informationen brauchst du?

Prüfungsmodalitäten:

  • Dauer der Prüfung,
  • Prüfungszeitraum,
  • mögliche Themengebiete,
  • Prüfungsaufbau,
  • formale Vorgaben (Layout etc.),
  • inhaltliche Anforderungen.

Besondere Anforderungen des Prüfers

Die Vorgaben von Unis und Studiengängen können durch Anforderungen des Prüfers ergänzt oder ersetzt werden. Da du für den Prüfer schreibst, solltest du das bedenken.

Anmeldemodalitäten:

  • Bis wann muss ich mein Thema eingereicht haben?
  • Wo muss ich die Prüfung anmelden?
  • Welche Formulare muss ich zur Prüfungsanmeldung ausfüllen?

Sammle dann alle Dokumente, fülle diese aus und arbeite die einzelnen Ansprechpartner ab. Sofern du hier alles in einem Durchgang erledigen kannst, bleibt dir später einiges an Organisationsarbeit erspart.

Solltest du bestimmte Fragen nicht lösen können, kontaktiere ein Sekretariat.

Abgabemodalitäten:

  • Öffnungszeiten des Prüfungsamtes,
  • Wochenendregelungen,
  • Ort der Abgabe etc.

Bestenfalls klärst du die Abgabemodalitäten gleich mit, damit du hier nichts übersiehst.

Druckerei

Natürlich benötigst du zumindest für den Druck und die Bindung deiner Thesis einen Copy-Shop. Copy- Shops findest du in allen Städten und an vielen Ecken. Was du jetzt klären kannst, kläre jetzt:

Bringe in Erfahrung,

  • welche Möglichkeiten des Drucks der Copy-Shop bietet,
  • was der Druck kostet und
  • wie lange der Druck dauert.
 Unterschiedliche Prüfungen haben unterschiedliche Anforderungen. Die hiesige Liste ist dementsprechend nicht allgemeingültig. Das Prinzip „First Things First“ gilt jedoch bei allen Prüfungen.
 

Kommende Woche geht es mit Teil II weiter. Hier nehmen wir die technischen Anforderungen an deine Uniprüfungen in den Blick.

Zusammenfassung

Wer die Organisation seiner Prüfungen direkt in Angriff nimmt, spart Zeit und Nerven. Statt in mehreren Durchgängen einzeln Informationen zu sammeln, erledigst du am besten alles in einem Aufwasch. Informationen, die du benötigst: Anforderungen und Vorgaben von Unis und Prüfern zu Anmeldung, Abgabe, Prüfungsarrangement und Inhalt.

Vom Großen zum Kleinen

Frank Satzdrechsler hat sich gestern einen Zeitplan für den Rest seiner Thesis gemacht. Er muss in den kommenden zwanzig Tagen je zwei Seiten pro Tag schreiben. Da Frank berufsbegleitend studiert, ist das kein allzu leichtes Unterfangen. Also legt er los. Nach zwei Stunden, drei Stunden Zeit hat er für den heutigen Tag eingeplant, stehen gerade einmal vier Sätze. Diese hat Frank schon fünfzehn Mal verändert und ist mit seinem Ergebnis immer noch nicht zufrieden. Er wird nervös und legt seine Thesis für heute zur Seite. Was ist passiert?

Take-aways

Notenbezug deiner Aufgaben

Mach dir bewusst, welche Kriterien des wissenschaftlichen Arbeitens deine Note bestimmen.

Vom Großen zum Kleinen

Arbeite zunächst die großen Blöcke des wissenschaftlichen Arbeitens ab und widme dich dann den Details.

Das Große

Zu den großen Blöcken zählen die Makrostruktur, die Rezeption der wichtigsten Literatur und die Definition der Titelbegriffe sowie die Grundlegung deiner empirischen Herangehensweise.

Satzdrechsler

Frank Satzdrechsler drechselt Sätze. Er rackert sich an kleinsten Nuancen seiner Formulierungen ab, anstatt sich mit den wesentlichen Aspekten seiner Thesis zu beschäftigen. Es ist prinzipiell lobenswert, dass Frank optimale Sätze schreiben möchte, aber dafür ist noch nicht die richtige Zeit. Denn Frank hat noch zwanzig Tage und eine Menge Inhalt vor sich.

Es wäre doch wesentlich besser, wenn er erstmal inhaltlich vorankäme, anstatt sich mit Kleinigkeiten zu beschäftigen.

Vom Großen zum Kleinen

Vielen Studierenden geht es wie Frank. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dabei gibt es nicht nur Satzdrechsler.

Es gibt jene Personen, die einfach nicht aufhören, zu lesen, weil sie alles für relevant erachten.

Es ist (für die Thesis) aber erstmal nur das relevant, was einen Teil zur Beantwortung der Fragestellung beiträgt.

Wieder andere drehen und wenden ihre Gliederung wie ein Karussell. Kapitel zwei vor Kapitel drei und wieder zurück. Oder sollte Kapitel fünf nicht lieber vor Kapitel drei stehen?

Wissenschaftliche Texte sind modular aufgebaut. Es ist provokant ausgedrückt egal, was wo steht. Der berühmte Rote Faden hält den Text schon zusammen.

Sicherlich macht es auch wenig Sinn, sich sieben Tage lang mit Citavi auseinanderzusetzen, ohne bezüglich des Thesis-Themas voranzukommen.

Software soll die Effizienz steigern. Wenn sie dich ablenkt, ist das kontraproduktiv.

Die Erklärung für ein solches Verhalten Studierender ist zweiteilig. Einerseits wissen viele Studierende nicht, welche Thesis-Aufgaben wirklich relevant sind. Andererseits treibt uns der Perfektionismus dazu, optimale Zwischenergebnisse zu erarbeiten.

Das Problem: Durch dieses Vorgehen verlierst du sehr viel Zeit. Viel besser ist es, vom Großen zum Kleinen zu laufen.

Die großen Blöcke des wissenschaftlichen Arbeitens

Zum Großen gehören dein Thesis-Ziel, die technische Ausstattung (Literaturverwaltung und Textverarbeitung), dein Zitationsstil und die Klärung der Prüferanforderungen.

Diesen Punkten folgt die Makrostruktur deiner Thesis: Setze zuerst einen Titel und eine Fragestellung auf, die zusammenpassen. Anschließend erstellst du deine Gliederung. Solltest du gerade in einer Arbeit stecken, dann hole diese Punkte nach.

Merke: All diese Aspekte sind zunächst Arbeitshilfen. Wenn es nach einem gewissen Arbeitsfortschritt einen wirklich driftigen Grund gibt, die Gliederung umzuwerfen oder die Fragestellung zu ändern, kannst du das natürlich tun.

Danach solltest du die wichtigste Literatur rezipieren (einen Teil vielleicht auch schon vor der Makrostruktur, wenn du ein Thema hast, bei dem du dich nicht auskennst). Hast du das erledigt, definierst du die Titelbegriffe deiner Thesis.

Anschließend kannst du die Grundlagen für deine empirische Herangehensweise legen. Welche Forschungsmethode wählst du? Wie kommst du an Daten und Umfrageteilnehmer?

Daran anknüpfend vertiefst du das Schreiben, das Lesen und die Empirie ganz nach deinem Gusto. Vergiss aber nicht, dass du alle drei Aufgaben erledigen musst. Die Überarbeitung deiner Ergebnisse erfolgt hauptsächlich am Ende der Bearbeitungszeit.

Und was ist mit deiner individuellen Herangehensweise?

Bis hierhin sind die Tipps unabhängig von deinem Schreibtyp, auch wenn unterschiedliche Schreibtypen auf unterschiedlichen Wegen zu diesen Ergebnissen kommen. Was die Schreibtypen unterscheidet, ist: Verfasst du direkt erste Texte zu den einzelnen Aufgaben? Das kann sinnvoll sein, da du so deine Gedanken in Textform festgehalten hast. Später kannst du diese Texte überarbeiten.

Ob in diesen Texten ein paar Tippfehler enthalten sind, ist völlig egal. Der Text kann auch aus einer Ansammlung von Zitaten und Paraphrasen bestehen. Es lohnt sich nämlich kaum, hier nach optimalen Texten zu streben. Du musst den Text am Ende ohnehin mehrmals überarbeiten, sofern du nach einer sehr guten Note strebst. Tust du das nicht, ist der Perfektionismus beim Satzdrechseln ohnehin wenig sinnvoll, oder?

Die Vorteile dieses Ansatzes

Wenn du die großen Blöcke abgearbeitet hast, hast du Orientierung für die nächsten Schritte. Du kannst dich an deiner Fragestellung entlanghangeln und deinen Arbeitsfortschritt einschätzen. Außerdem bist du wahrscheinlich motivierter. Schließlich ist dir klar, dass du auf dem richtigen Weg bist.

Zusammenfassung

Wissenschaftliches Arbeiten folgt festen Regeln. Diese sind so klar, dass Prüfer bei deinen Texten und Gesprächen für gewöhnlich zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Folgst du den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens konsequent, steht deinem Unierfolg nichts im Wege.

Das Deppenleerzeichen im wissenschaftlichen Schreiben

„Kann mal jemand die Deppenleerzeichenpolizei rufen?“

Da blättere ich durch Xing und lese eine Stellenanzeige. Ein Unternehmen sucht dort einen Texter in Festanstellung oder als Fester/Freier. Fester/Freier oder in Festanstellung? Was suchen sie denn jetzt? Ich lese weiter. Was das Unternehmen sucht, wird nicht aufgeklärt. Es ist mir mittlerweile auch schnurzpiepegal, denn ich bin gerade dabei, meinen Laptop anzuschreien:

„Donaudampfschifffahrtsgesellschaft, ihr D…! Es schreibt sich Social-Media-Berater und nicht Social Media Berater.

Das Deppenleerzeichen – ein weit verbreitetes Phänomen

Selbst in der Stellenanzeige einer Agentur, die Kommunikationsdienstleistungen anbietet, hat es sich also versteckt: das Deppenleerzeichen.

Ich bin darauf allergisch, weil ich diese Deppenleerzeichen wöchentlich aus Hausarbeiten und Abschlussarbeiten entferne. Falsch gesetzte Leerzeichen zählen definitiv zu den häufigsten Fehlern im wissenschaftlichen Arbeiten und auch in der deutschen Schriftsprache allgemein. Zeit, Abhilfe zu schaffen.

Das Deppenleerzeichen vermeiden

Beginnen wir didaktisch wertvoll. Damit du im Verlauf des Textes das Ziel nicht aus den Augen verlierst, kommt hier zunächst die Eselsbrücke:

Wenn du dir bei der Zusammenschreibung großgeschriebener Wörter unsicher bist, hier der Prüfablauf:

1.) Stelle eine Fallfrage an die beiden Ausdrücke. Fallfragen beginnen mit Wer, Wessen, Wem und Wen (oder Was).

a) Akkusativ: Wer betreibt Schiffe auf der Donau?

b) Wen oder was schauen wir uns heute Abend an?

2.) Beantworte die Frage.

a) Die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft.

b) Das Fußballspiel.

Die Genitivfrage stellt hier eine Besonderheit dar. Des Fußballs Spiels wird zu des Fußballspiels zusammengezogen. Allerdings findet sich ein solcher Fehler kaum. 

Der Bindestrich als Deppenleerzeichenersatz

Statt die einzelnen Teile von Komposita zusammenzuschreiben, kannst du sie mit Bindestrichen trennen.

Also: Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft und Fußball-Spiel. Beim Social-Media-Berater sind Bindestriche zu empfehlen.

Weiteres Beispiel: Das Leib-und-Magen-Thema.

Das Und wird hier ebenfalls mit Bindestrichen zusammengehalten. Es ist schließlich nicht flektierbar/veränderbar und verbindet Teile des Substantivs.

Ein letzter Flexionstest – die Gefällt-mir-Angabe. 

  1. Wen oder was sehe ich bei Facebook? Die Gefällt-mir-Angabe.
  2. Wer oder was ist erwünscht? Die Gefällt-mir-Angaben.

Mir verändert sich hier bei unterschiedlichen Fallfragen nicht und ist damit fester Bestandteil des Kompositums.

Merke:

Wenn du Bindestriche setzt, dann zwischen allen Bestandteilen des Kompositums.

Das Prinzip der Fehlervermeidung

Wenn ich zu Rechtschreibthemen berate, geht es mir immer um eines: Fehlervermeidung. Mit den bisherigen Tipps vermeidest du Fehler. Im Folgenden weise ich daher nur noch Optionen aus. Aber: Du gehst auf Nummer sicher, indem du eben alle Substantive inkl. Bindewörter zusammenschreibst. Das gilt auch bei Anglizismen, hier mit Bindestrich.

Anglizismen

Im Englischen werden hintereinanderstehende Substantive im selben Kasus übrigens auseinandergeschrieben. Viele Personen meinen, dass das Deppenleerzeichen im Deutschen dadurch entstand. Mit Blick auf die englischen Arbeiten, die mir immer mal wieder vorliegen, kann ich sagen: Quatsch. Das Englisch deutscher Muttersprachler dominiert das Deutsch sicher nicht.

Im Deutschen ist es die beste Lösung, auch Begriffe aus ausschließlich englischen Bestandteilen zusammenzuschreiben.

Beispiel: Stakeholder-Management.

Ich halte hier den Bindestrich für empfehlenswert, nutzt du ihn nicht, musst du den englischen Fachbegriff durch Kursivschreibung kenntlichmachen und in Originalsprache darstellen, also kleingeschrieben. 

Sobald ein Teil des Kompositums ein deutscher Ausdruck ist, werden ohnehin alle Teile zusammengezogen. Wir erinnern uns an den Social-Media-Berater.

***Dieser Abschnitt wurde geändert, da die Option, Anglizismen auseinanderzuschreiben missverständlich ausgedrückt war.

Option 1: Eigennamen

Bei Eigennamen kannst du theoretisch über das Setzen von Bindestrichen oder Leerzeichen selbst entscheiden. Orientiere dich bestenfalls daran, wie der Namensgeber den Eigennamen schreibt.

Beispiel: Die Freudenberg Gruppe oder der BASF-Konzern.

Ich tendiere hier immer zur Verknüpfung durch Bindestrich, da es – du ahnst es – Fehler vermeidet. Vor allem gilt dies bei der Kopplung von Eigennamen und weiteren Substantiven: der BASF-Bericht.

Option 2: Anführungszeichen

Eine dritte Option für Leerzeichen in Komposita bieten Anführungszeichen.

Beispiel: „Leib und Magen“-Thema.

Indem du einen Teil des Kompositums mit Anführungszeichen rahmst, musst du den Bindestrich nur noch zwischen diesem und dem Grundwort (Thema) setzen.

Fertig ist das Mondgesicht?

Nicht ganz.

Ja, es ist doch wie bei allem. Die Ausnahmen bestätigen die Regel. Hier sind es allerdings wirklich kleine Ausnahmen.

  • Zwei Eigennamen: 

Mercedes GLA. In der Verbindung aus Automobilunternehmen und Marke wird ein Leerzeichen gesetzt.

Zusammenfassung

Sei kein Depp, setze Leerzeichen nur dort, wo sie hingehören. Der einfachste Weg hierzu ist: Verbinde die einzelnen Teile von Komposita konsequent.

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